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Seitenstechen – Fieses Zwicken

Dienstag, 25. Mai 2010

Fast jeder kennt das plötzliche Ziehen, doch die Ursachen sind noch nicht völlig geklärt. Tipps für schnelle Abhilfe

Abrupt bleibt das kleine Mädchen stehen. Gerade noch rannte die Fünfjährige ihrem größeren Bruder davon. Jetzt presst sie die rechte Hand auf den Bauch und stöhnt: „Au, tut das weh.“ Kinder und Jugendliche bekommen oft Seitenstechen. Ein Grund: „Sie wärmen sich nicht auf, sondern laufen einfach los“, erklärt Professor Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Aber auch Erwachsene sind vor dem Zwicken unterhalb des Rippenbogens nicht sicher. „Falsches, also flaches, unrhythmisches Atmen führt bei längeren körperlichen Aktivitäten zu Seitenstechen“, erläutert Predel. „Das Problem verschwindet aber meist mit steigender Kondition und verbessertem Trainingszustand von alleine.“
 
Die Stiche sind schmerzhaft, aber in der Regel harmlos. Allerdings können sich hinter dem fiesen Ziehen ernstere Beschwerden verbergen.

„Linksseitiges Stechen kann durchaus ein Hinweis auf Herzdurchblutungsstörungen sein. Auch Magen- und Darmbeschwerden können als Seitenstechen fehlinterpretiert werden“, gibt Predel zu bedenken. Im Zweifelsfall sollten Betroffene die Symptome von einem Arzt überprüfen lassen.
 
Was genau die unliebsame Begleiterscheinung beim Joggen, Radfahren oder Schwimmen auslöst, ist bis heute nicht hundertprozentig geklärt. Eine eindeutige Ursache gibt es nicht, vielmehr werden verschiedene mögliche Auslöser diskutiert.

Eine Theorie geht davon aus, dass beim Seitenstechen verschiedene Organe wie Leber, Milz, Magen sowie Darm nicht ausreichend durchblutet werden. So könnte beispielsweise anstrengender Ausdauersport, bei dem das Blut vor allem für die stark arbeitende Muskulatur beansprucht wird, zeitweise zu einer Unterversorgung der Leber führen und dadurch einen Spannungsschmerz in der Leberkapsel hervorrufen. Das würde erklären, warum die Stiche oft auf der rechten Seite auftreten.
 
Auch eine mangelnde Durchblutung des Darms gilt als mögliche Ursache für die Beschwerden. Professor Klaus-Michael Braumann, Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin in Hamburg: „In diesem Fall wären Gase, hervorgerufen durch Darmkrämpfe, schuld am Ziepen unter dem Brustkorb.“

Die bevorzugte Annahme unter Sportmedizinern ist jedoch, dass eine Fehlbelastung des Zwerchfells – unser wichtigster Atemmuskel – zu den Stichen führt. „Möglicherweise wird dies unterstützt durch falsche Ess- und Trinkgewohnheiten“, vermutet Predel.
 
Wer Seitenstechen verhindern möchte, sollte nicht gleich nach dem Essen trainieren. Die Verdauungsorgane stehen nämlich in direkter Verbindung zum Zwerchfell, das von gefüllten Organen mächtig strapaziert wird.

Als Faustregel gilt:
ein bis zwei Stunden vor der körperlichen Betätigung nichts Schweres essen. Trinken ist dagegen erlaubt, vor sportlichen Aktivitäten sogar empfehlenswert. Die Getränke sollten aber nicht zu kalt sein und keine Kohlensäure enthalten.
 
Langsames Aufwärmen sowie bequeme Kleidung, die eine unbehinderte Atmung zulässt, tragen ebenfalls dazu bei, dass Seitenstechen erst gar nicht entsteht.

Die Personal-Trainerin Diana Hochgraefe aus Hamburg rät allen Joggern zudem, auf die richtige Körperhaltung zu achten. „Viele Laufanfänger nehmen beim Joggen die Arme zu hoch, was zu muskulären Verspannungen im Schulterbereich führen kann und häufig von Seitenstechen begleitet wird.“

Schnelle Hilfe bei Seitenstechen: Das Tempo reduzieren oder gleich eine Pause einlegen und ganz bewusst in den Bauch hinein atmen. Sportmediziner Klaus-Michael Braumann rät: „Tief einatmen, sodass sich der Bauch nach vorne wölbt. Beim Ausatmen den Bauch nach innen ziehen. So verschwinden die Beschwerden schnell.“

Nordic-Walking plus Extra-Training

Montag, 19. April 2010

artikelGehen allein ist manchem zu eintönig. Mit Übungen zwischendurch wird das Nordic-Walking-Training abwechslungsreicher und bringt noch mehr Spaß

„Schau mal, Langläufer ohne Ski.“ Solche Kommentare sind für Nordic Walker Schnee von gestern. Aus dem belächelten Freizeitvergnügen für spottresistente Einzelkämpfer ist längst ein Breitensport geworden.

Die Stöcke aktiv einsetzen

Außer guten Schuhen und speziellen Laufstöcken brauchen Nordic-Walking-Fans keine weitere teure Ausrüstung. Die Lauf- und Stocktechnik beherrschen die meisten schon nach einer kurzen Übungsphase.

„Wichtig ist, dass man sich mit Druck mit den Stöcken abstößt. Gerade Anfänger tragen ihre Laufstöcke oft einfach nur spazieren“, sagt Andrea Kohler vom Nordic-Walking-Ausbildungsteam des Deutschen Skiverbands in Bayern. Bei richtiger Ausführung zeigen die Stöcke während des gesamten Bewegungsablaufs schräg nach hinten. Typisch für die Nordic-Walking-Technik sind zudem raumgreifende Armbewegungen.

Einsteiger müssen darauf achten, dass sich die Hände in den Stockschlaufen beim Rückschwung öffnen und nicht fest um den Griff klammern. 

Damit auch geübte Walker mit Spaß bei den Stöcken bleiben, sollten sie nicht immer dieselbe Wegstrecke gehen. Auch wechselnde Geländeprofile – etwa Steigungen oder Hügel – schaffen neue Anreize.

Zudem können sie die Stöcke als Trainingsgerät nicht nur zum Gehen nutzen. Sporttherapeutin Kohler empfiehlt, zwei- bis dreimal pro Woche eine gute Stunde zu walken und zusätzlich Kräftigungs- und Dehnübungen mit den Stöcken zu machen.

Ihre Kurse gestaltet sie so: kurzes Aufwärmen, eine halbe Stunde Walking, fünf bis zehn Minuten Kräftigung, eine halbe Stunde Walking, langsames Auslaufen und abschließend fünf bis zehn Minuten Dehnen.

Den Trainingseffekt steigern

Kräftigungsübungen bringen Abwechslung in den Trainingsalltag und intensivieren den Verbrennungseffekt. Sie stärken die Muskeln, die der Körper bei dieser Sportart braucht, und beschleunigen dadurch den Trainingsfortschritt. Die Leistungsfähigkeit wächst mit der aktiven Muskelmasse.

Mithilfe der Laufstöcke stärken Nordic Walker zum Beispiel die Oberarme sowie die Rücken- und Brustmuskulatur. Die Stöcke werden dabei vor, über oder hinter dem Körper gehalten und dienen dazu, Spannung aufzubauen. Manche Übungen lassen sich auch zu zweit machen.

Kräftigungsübungen päppeln übrigens auch muskuläre Schwachstellen des Körpers auf. Wenn Sie etwa häufiger unter Verspannungen im Schulter- oder Nackenbereich leiden, können Sie mit Stockgymnastik gezielt dagegen vorgehen.

Abschließende Dehnübungen nach einem Parcours durch Wald und Wiesen erhalten die Beweglichkeit der beanspruchten Muskeln und wirken schmerzhaften Verkürzungen entgegen. Sie besitzen darüber hinaus einen entspannenden Effekt auf die Psyche und verbessern das Körpergefühl. Die Nordic-Walking-Stöcke dienen entweder zum Abstützen oder helfen beim Einnehmen der Dehnposition.  

Übungen zum Kräftigen und Dehnen

Oberkörper kräftigen

Im Stand mit leicht gebeugten Knien die Stöcke mit beiden Händen hinter dem Rücken fassen und „auseinanderziehen“.

Oberschenkel dehnen

Im Ausfallschritt ein Knie beugen, die Stöcke zum Stabilisieren nutzen. Das dehnt den gegengleichen Oberschenkel (nicht wippen!).

Schultergürtel dehnen

Die Stöcke in Schulterhöhe mit langen Armen parallel vor dem Körper halten und nach vorne schieben. Die Dehnung 30 Sekunden halten und wiederholen.

Waden dehnen

Mit leicht vorgebeugtem Oberkörper in die Hocke gehen und ein Bein ausstrecken. Die Stöcke dabei zum Stabilisieren nutzen.

Rücken entlasten

Die Stöcke weit vor den Körper stellen und den Oberkörper mit fast gestreckten Armen „durchhängen lassen“. Den Po leicht nach hinten schieben.

Oberkörper kräftigen

Dem Partner die Stöcke auf Brusthöhe reichen. Nun versuchen beide, abwechselnd rechts und links, den anderen zu sich zu ziehen. 

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