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Schluckauf: Den Hicks überlisten

Donnerstag, 10. März 2011

Hausmittel gegen Schluckauf gibt es zwar viele, doch sie wirken nicht bei jedem. Das Wichtigste: Geduldig sein und bei chronischen Beschwerden zum Arzt gehen

Der „Hicks“ kommt 35 Millisekunden nach der Atembewegung des Zwerchfells. Der Reflex verschließt die Stimmritze im Kehlkopf, und der unfreiwillige Laut entweicht. Unseren ersten Schluckauf haben wir bereits vor der Geburt.

„Schon im Mutterleib hickst ein Kind“, sagt Dr. Jens Keßler vom Schmerzzentrum der Universitätsklinik Heidelberg, wo man Patienten mit hartnäckigem Schluckauf behandelt. Das setze sich bei Neugeborenen fort, werde allerdings mit der Zeit seltener.

Der Anästhesist vermutet, dass der Reflex die Atemmuskulatur der Winzlinge trainiert. Andere Mediziner nehmen an, der Schluckauf schütze Ungeborene und Säuglinge davor, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. „Bei Erwachsenen besitzt der Schluckauf keine Funktion“, berichtet Professor Gereon Fink von der Universitätsklinik Köln.

Trotzdem hicksen die meisten Menschen von Zeit zu Zeit. Häufig passiert das, wenn wir zu schnell und zu viel essen. Die verschlungene Nahrung dehnt den Magen. Dies reizt den Nerv des Zwerchfells. Keßler rät Personen, die darauf empfindlich reagieren, immer nur kleine Portionen zu verzehren und kohlensäurehaltige Getränke zu meiden. Das gilt auch für sehr kalte oder heiße Nahrung. Sie kann ebenfalls einen Schluckauf hervorrufen.

Was hilft, wenn der Schluckauf einen trotzdem plötzlich übermannt? „Ich halte alle Hausmittel für sinnvoll, die die Atmung beeinflussen“, sagt der Neurologe Fink. Dazu zählt zum Beispiel, eine Minute lang die Luft anzuhalten, ein Glas Wasser in einem Zug auszutrinken oder in eine Tüte ein- und auszuatmen. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel im Blut, der das Zwerchfell ruhigstellt.

Alternativ können Betroffene versuchen, bestimmte Nervenregionen zu reizen. Fink empfiehlt, hinten am Hals zu zupfen oder an der herausgestreckten Zunge zu ziehen. Auch Ablenkung stoppt das Hicksen manchmal. Keßler rät beispielsweise zu versuchen, vom hinteren Rand eines Glases aus zu trinken.

Allerdings lässt sich der Reflex bei Weitem nicht immer überlisten. Und was dem einen hilft, bleibt beim anderen wirkungslos. Doch meist hört ein Schluckauf spätestens nach einigen Stunden von selbst auf.

Bei manchen Menschen hält er aber tage- bis wochenlang an. In 90 Prozent trifft es Männer. Einige können kaum mehr essen oder schlafen. Fink rät, zum Arzt zu gehen, wenn ein Schluckauf als quälend empfunden wird oder über Monate hinweg immer wiederkehrt.

Weil die Beschwerden am häufigsten vom Magen oder von der Speiseröhre ausgehen, sollten die Patienten zunächst einen Internisten aufsuchen. Findet er keine Auffälligkeiten, empfiehlt es sich, einen Neurologen hinzuzuziehen. Denn der Auslöser sind oft Entzündungen der Magenschleimhaut oder Störungen des Nervs, der das Zwerchfell mit dem Gehirn verbindet.

Doch es gibt viele weitere mögliche Ursachen, etwa eine beginnende multiple Slerose, einen Schlaganfall im Hirnstamm, eine vergrößerte Schilddrüse oder einen Herzinfarkt. Manchmal finden die Ärzte allerdings keine Krankheit, die als Auslöser infrage kommt.

Dann versuchen sie, den Reflex auszuschalten mithilfe von Muskelentspannung, Akupunktur oder – in sehr schlimmen Fällen – Antiepileptika. Wenn das alles nicht hilft, blockieren Mediziner den Zwerchfellnerv mit örtlich wirksamen Betäubungsmitteln – als Maßnahme der letzten Wahl.

 
02.03.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/PhotoDisc

Apotheken Umschau

Rheuma – Frauen sind häufiger betroffen

Montag, 07. Juni 2010

Etwa dreimal häufiger erkranken Frauen an einer Rheumatoide Arthritis als Männer

Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen der Fingergelenke. Im weiteren Verlauf befällt die Krankheit weitere Gelenke und mitunter auch innere Organe.

Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 50 bis 70 Jahren. Aber auch junge Menschen können daran erkranken: Etwa 15 Prozent vor dem 40. Lebensjahr. Unter diesen jungen Erkrankten sind Frauen viermal häufiger vertreten als Männer.

Nach den Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums leiden Frauen stärker unter Schmerzen und  Funktionseinschränkungen und schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer. Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt – möglicherweise aus größerer Sorge vor Nebenwirkungen.

„Medikamentenstudien bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis weisen leider selten die Ergebnisse von Männern und Frauen getrennt aus“, bedauert Professor Dr. med. Angela Zink vom Forschungsbereich Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Eine für geschlechtsspezifische Unterschiede sensible medizinische Versorgung sei jedoch geeignet, Über-, Unter- und Fehlversorgung zu verringern.

Ursache einer Rheumatoiden Arthritis (RA) sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so Entzündungsprozesse in Gang. Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern. Die körpereigene Abwehr reagiert auf äußere Reize bei Frauen grundsätzlich stärker.

Einen weiteren Grund vermuten die Wissenschaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter. „Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass weibliche Hormone Autoimmunkrankheiten fördern“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Gabriela Riemekasten von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Berliner Charité. Weibliche Hormone (Östrogene) haben Studien zufolge einen eher ungünstigen Einfluss auf die Rheumatoide Arthritis.

Die Wissenschaftler entdeckten jedoch auch, dass sich die Östrogene auf die Erkrankung positiv auswirken können. Frauen, die hormonell verhütet haben, erkranken zum Beispiel halb so oft an einer RA wie Frauen, die nicht die „Pille“ eingenommen haben. Auch eine Östrogentherapie in den Wechseljahren führte bei RA-Patientinnen zu weniger Schmerzen, geringeren Entzündungsparametern und einem besseren Lebensgefühl.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst ebenfalls den Verlauf der RA. „Wahrscheinlich ist eine Autoimmunität wie bei der Rheumatoiden Arthritis jedoch nicht auf die Störung eines einzelnen Hormons, sondern auf eine Dysbalance verschiedener Hormone zurückzuführen“, erläutert die Rheumatologin Riemekasten.

Die spezialisierte rheumatologische Versorgung erreicht dennoch Frauen später als Männer. Woher diese geschlechtsbedingten Unterschiede kommen und welche Rolle das Geschlecht der Patienten auch bei der Behandlung spielt, erörtern nun Experten im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.