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Schmerzen: So behandelt man eine Schleimbeutelentzündung

Freitag, 04. März 2011

Schleimbeutel sorgen dafür, dass wir uns reibungslos bewegen können. Doch manchmal entzünden sie sich

 

Rund 150 Schleimbeutel gibt es in unserem Körper. Sie sind nur wenige Zentimeter groß und befinden sich an besonders beanspruchten Stellen – überall dort, wo Haut, Sehnen oder Muskeln direkt neben einem Knochen liegen.

Die Schleimbeutel dazwischen verringern die Reibung an diesen empfindlichen Strukturen. Eine klare und zähe Flüssigkeit in ihrem Inneren – die sogenannte Synovia – macht die Beutel (Bursae) elastisch. Ärzte nennen sie daher Bursae synoviales. Diese bewirken, dass sich unsere Knie, Ellbogen, Schultern und die anderen Gelenke geschmeidig bewegen. Doch die schützenden Polster können sich entzünden und Beschwerden bereiten.
„Eine Schleimbeutelentzündung am Ellbogen muss sich nicht gleich mit Schmerzen bemerkbar machen. Häufiger beobachten Patienten zunächst eine Schwellung“, erläutert Dr. Frank Rathfelder, niedergelassener Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie in München. Doch längst nicht jede Entzündung der schützenden Polster ist von außen sichtbar. Die Schleimbeutel des Knies, der Schulter und der Hüfte verursachen zunächst nur Schmerzen, denn sie liegen tiefer im Gewebe.

Zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) kommt es meist durch Überlastung: Sportler beanspruchen die benachbarte Muskulatur zu sehr oder einseitig, Nichtsportlern hingegen bereitet häufig zu viel äußerer Druck Probleme – zum Beispiel auf ihre Ellbogen, wenn sie viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Bestimmte Berufsgruppen trifft es besonders oft: Fliesenleger beispielsweise, weil sie viel auf den Knien arbeiten.
Seltener verursachen Krankheiten wie Arthrose, Arthritis oder Gicht eine Bursitis. Auslöser können auch bakterielle Infekte sein, zu denen es nach einer Verletzung in der Nähe eines Schleimbeutels kommt. „Wenn anschließend das Gelenk schmerzt oder anschwillt, sollte man sich sofort an einen Arzt wenden“, mahnt Rathfelder. Denn die Infektion kann sich ausweiten und im Extremfall eine Blutvergiftung verursachen. Das Gleiche gilt, wenn ohne äußere Einwirkung Schmerzen erstmals auftreten.
Der Arzt fragt nach der Art der Beschwerden, nach Vorerkrankungen und Bewegungsgewohnheiten und tastet die betroffene Stelle ab. Bei einem Verdacht auf eine Bursitis untersucht er den Patienten zusätzlich mithilfe von Ultraschall.
Richtig behandelt, heilt eine akute Schleimbeutelentzündung meist vollständig aus. Fast immer gehört es zur Therapie, die entzündete Stelle zu entlasten. Darüber hinaus helfen oft kalte Umschläge und Kältepackungen. Diese muss der Patient jedoch mit einem Handtuch umwickeln, um Erfrierungen zu vermeiden.
Auch eine leichte Physiotherapie und Injektionen mit abschwellenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können die Beschwerden lindern. In Absprache mit dem Arzt kann ein Patient verschreibungsfreie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen und Diclofenac einnehmen. In manchen Fällen helfen auch Salben, die diese Substanzen enthalten.

Wenn die Beschwerden trotzdem nicht verschwinden, entfernen Ärzte den betroffenen Schleimbeutel mithilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs. „Bei einer bakteriellen Infektion müssen wir den betroffenen Schleimbeutel fast immer herausoperieren“, ergänzt Professor Carsten Perka, Orthopäde und Unfallchirurg an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Der Körper bildet dann eine Art Ersatzgewebe. Zur Vorbeugung empfiehlt Perka, beim Sport einseitige und maximale Belastungen zu vermeiden, die Leistung nur langsam zu erhöhen und Schmerzen als Warnsignal ernst zu nehmen.

 
25.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Panthermedia/Werner Heiber

Apotheken Umschau

Rheuma – Frauen sind häufiger betroffen

Montag, 07. Juni 2010

Etwa dreimal häufiger erkranken Frauen an einer Rheumatoide Arthritis als Männer

Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen der Fingergelenke. Im weiteren Verlauf befällt die Krankheit weitere Gelenke und mitunter auch innere Organe.

Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 50 bis 70 Jahren. Aber auch junge Menschen können daran erkranken: Etwa 15 Prozent vor dem 40. Lebensjahr. Unter diesen jungen Erkrankten sind Frauen viermal häufiger vertreten als Männer.

Nach den Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums leiden Frauen stärker unter Schmerzen und  Funktionseinschränkungen und schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer. Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt – möglicherweise aus größerer Sorge vor Nebenwirkungen.

„Medikamentenstudien bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis weisen leider selten die Ergebnisse von Männern und Frauen getrennt aus“, bedauert Professor Dr. med. Angela Zink vom Forschungsbereich Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Eine für geschlechtsspezifische Unterschiede sensible medizinische Versorgung sei jedoch geeignet, Über-, Unter- und Fehlversorgung zu verringern.

Ursache einer Rheumatoiden Arthritis (RA) sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so Entzündungsprozesse in Gang. Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern. Die körpereigene Abwehr reagiert auf äußere Reize bei Frauen grundsätzlich stärker.

Einen weiteren Grund vermuten die Wissenschaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter. „Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass weibliche Hormone Autoimmunkrankheiten fördern“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Gabriela Riemekasten von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Berliner Charité. Weibliche Hormone (Östrogene) haben Studien zufolge einen eher ungünstigen Einfluss auf die Rheumatoide Arthritis.

Die Wissenschaftler entdeckten jedoch auch, dass sich die Östrogene auf die Erkrankung positiv auswirken können. Frauen, die hormonell verhütet haben, erkranken zum Beispiel halb so oft an einer RA wie Frauen, die nicht die „Pille“ eingenommen haben. Auch eine Östrogentherapie in den Wechseljahren führte bei RA-Patientinnen zu weniger Schmerzen, geringeren Entzündungsparametern und einem besseren Lebensgefühl.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst ebenfalls den Verlauf der RA. „Wahrscheinlich ist eine Autoimmunität wie bei der Rheumatoiden Arthritis jedoch nicht auf die Störung eines einzelnen Hormons, sondern auf eine Dysbalance verschiedener Hormone zurückzuführen“, erläutert die Rheumatologin Riemekasten.

Die spezialisierte rheumatologische Versorgung erreicht dennoch Frauen später als Männer. Woher diese geschlechtsbedingten Unterschiede kommen und welche Rolle das Geschlecht der Patienten auch bei der Behandlung spielt, erörtern nun Experten im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.