Salz: Würze des Lebens

Donnerstag, 17. März 2011

Die weißen Kristalle sind lebensnotwendig, aber im Übermaß schädlich. Wer Salz richtig dosiert, tut der Gesundheit Gutes – bei vollem Genuss

 

Ohne geht es in der Küche nicht: Es gehört in die Suppe, Fleisch schmeckt nur mit, das Frühstücksei braucht es, schlichte Pellkartoffeln und vor allem Brot. Salz bringt den Geschmack von Speisen besser zur Geltung. Selbst Kuchenteig gelingt mit einer Prise Natriumchlorid besser.

Auch der Körper kann nicht ohne: Nerven und Muskeln benötigen Natrium für die Reizleitung, aus Chlorid wird Magensäure aufgebaut. Ohne Salz würden der Wasser- und Mineralstoffhaushalt des Körpers zusammenbrechen. Bei Salzmangel kommt der Blutdruck ins Schwanken, wir fühlen uns dann müde, es ist uns leicht schwindlig und übel.

Schließlich schätzen es Lebensmitteltechnologen, weil Salz Wasser bindet und dadurch Nahrungsmittelkeimen die Lebensgrundlage entzieht. Bis zur Einführung des Kühlschranks war es das Konservierungsmittel der Wahl. Aber in seinen Anfängen zur Zeit der Kelten war der bergmännische Abbau anstrengend und teuer. Salz war daher ein begehrtes Handelsprodukt und sogar Zahlungsmittel.

Heute steht Salz im Überfluss zur Verfügung, 100 Gramm davon sind beim Discounter für wenige Cent zu haben. Doch genau darin liegt eine Gefahr. Statt der empfohlenen fünf bis sechs Gramm essen Frauen in Deutschland heute täglich fast acht Gramm, Männer mehr als zehn Gramm Salz.

Überschüssiges Salz und Wasser werden normalerweise über die Nieren ausgeschieden. „Dabei wird aber auch Kalzium mitgenommen, das dann in den Knochen fehlt“, warnt Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Das ist besonders kritisch für Menschen mit Osteoporose.

Auch Herz und Kreislauf droht Gefahr, wenn der Konsum des „weißen Goldes“ langfristig zu hoch ist. Mehr Salz und mehr Wasser bleiben dann in den Gefäßen zurück. Mit der Blutmenge steigt der Blutdruck und damit auch die Gefahr von Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzversagen. Bei schätzungsweise jedem zweiten Deutschen ist das der Fall.

Ob jemand salzempfindlich ist, lässt sich nicht vorhersagen. Daher sollten alle die weiße Würze bewusst einsetzen – vorsichtshalber. Gehören Sie auch zu den Menschen, die grundsätzlich jedes Gericht nachsalzen? Vorsicht: Wer viel Salz isst, braucht mit der Zeit eine höhere Dosis, um den Geschmack überhaupt noch wahrzunehmen. Was dem einen – wie immer – prima mundet, empfindet der andere schon als versalzen.

„Das ist eine Frage der Gewöhnung“, erklärt Ernährungswissenschaftlerin Keller, „aber man kann sich umgewöhnen.“ Deshalb nicht gleich zum Salzstreuer greifen, wenn das Essen auf den Tisch kommt – probieren Sie lieber erst. Viele Würzmischungen sowie Senf und Sojasauce bestehen nämlich zum großen Teil aus Salz. Auch Speck, Schinken und Käse bringen davon reichlich ins Essen, sodass sich Nachwürzen erübrigt.

Setzen Sie außerdem mehr auf den Eigengeschmack der Zutaten. Frische Kräuter und Gewürze zaubern einen wunderbaren Geschmack an die Speisen. Ohne ein Körnchen Salz kommt Gemüse übrigens im Dampfkochtopf aus, weil sein Aroma bei dieser schonenden Zubereitung nicht verloren geht.

Eine weitere Würzalternative ist Salz mit 15 bis 20 Prozent Kräuteranteil. Wer diese Tipps in der Küche beherzigt, kommt selbst als Bluthochdruckkranker ohne Diätsalz aus, das überwiegend aus Kaliumchlorid besteht und leicht bitter schmeckt.

Wirksamer könnten allerdings die Hersteller sparen, denn 80 Prozent des bei uns konsumierten Salzes kommt aus Lebensmitteln, allen voran Brot, Wurst und Käse. Deshalb wird derzeit diskutiert, Bäcker, Metzger und Industrie zum Salzsparen zu verpflichten.
Während in der medizinischen Fachwelt die Signale auf Salzsparen stehen, wird das Salzsortiment im Supermarkt immer größer. Neben einfachem Steinsalz aus dem Bergwerk steht etwa das auf wendiger gewonnene und daher teurere Meersalz im Regal.

In großen Becken am Meer verdunstet das Wasser nach und nach, bis das Salz auskristallisiert. Übrig bleibt eine Würze, die neben Natriumchlorid weitere Mineralien enthält. „Die Mengen sind aber gering, und der Gehalt an lebenswichtigem Jod, das in unserem Essen fehlt, ist nicht deklariert“, moniert DGE-Expertin Keller.

Die bessere Wahl sei Jodsalz, dem eine definierte Menge Jod beigemischt ist. Fachleute empfehlen auch den Zusatz von Fluorid. Der Mineralstoff ist in jeder guten Zahncreme enthalten und stärkt im direkten Kontakt mit dem Zahn den Schmelz. Fluorsalz hat diesen Effekt auch in geringem Ausmaß.

Ebenso begrüßen Ernährungsexperten Folsäure im Salz. Die meisten Deutschen essen zu wenig von dem empfindlichen Vitamin. Lieber sähen die Experten den Folsäurezusatz allerdings bei Mehl. Denn niemand soll durch die Vitaminbeigabe verleitet werden, mehr Salz zu essen.

Selbst Feinschmecker streuen ihre teuren, ausgefallenen Salzvariationen wie Fleur de sel meist nur als Finish über das fertige Essen. „Dann kommt ihr Geschmack am besten zur Geltung“, weiß Patrick Zbinden, der Lebensmittel auf ihre sensorische Qualität prüft. Mehr Gesundheit kauft man sich damit aber nicht ein.

 
18.02.2011, Senioren Ratgeber, Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Thinkstock

Senioren Ratgeber

Gesund mit Naturkost

Montag, 14. März 2011

Gesund durch Naturkost

Niko Korte / pixelio.de


Was ist Naturkost? Gesundheitsbewusste Menschen greifen gern zu Naturkost. Sie möchten sich nicht nur gesund ernähren, sondern sie setzten auch auf biologisch korrekten und regionalen Anbau. Immer mehr Menschen wenden sich von konventionell hergestellten Lebensmitteln ab. Da bei dieser Form des Anbaus chemische Mittel eingesetzt werden, sind sie bei ernährungsbewussten Menschen umstritten. Sie möchten die Produkte möglichst naturbelassen konsumieren, sei es nun vom Naturkostladen direkt vor Ort oder vom Naturkost Versand. Das bedeutet, dass die Lebensmittel wenig behandelt oder verändert werden, denn jeder Stoff, der einer Pflanze zugeführt wird, kann sich im menschlichen Körper mit der Zeit anreichern. So können langfristig Schäden oder Krankheiten entstehen, die durch eine bewusste Ernährung vermieden werden können.

Was ist das Besondere daran? Naturkost setzt auch auf wild wachsende Produkte. Anders als Bioprodukte kommen die Naturkostprodukte auch in ihren natürlichen Formen in der Natur vor. Dabei setzen die Hersteller auf gentechnikfreie Lebensmittel, sie verzichten auf den Eingriff in das Erbgut der Pflanzen. Da niemand wirklich sagen kann, was dies beim Menschen langfristig bewirkt, ist der Einsatz von Gentechnik, auch bei Fachleuten, höchst umstritten. Dies beginnt schon bei der Auswahl des Saatgutes und der Behandlung der Böden mit Dünger und Pflanzenschutzmitteln.

Lebensmittel, die den Ansprüchen der Naturkost genügen wollen, müssen in möglichst wenigen Schritten verarbeitet werden. Nur so ist der volle Vitamin- und Nährstoffgehalt gesichert. Öko-Züchtungen wie Kopfsalat, Lauch, Möhren und Paprika gibt es bereits und es kommen aber immer mehr dazu. Damit auch alle Naturkost Lebensmittel den strengen Auflagen genügen, überwacht der Bundesverband für Naturkost den Anbau von Obst und Gemüse. Er hat zudem einen Leitfaden für Öko-Betriebe herausgegeben. Dieser bietet Tipps für die korrekte Schädlingsbekämpfung und vieles mehr. So kann der hohe Standard der Naturkost gehalten werden, und der Verbraucher bekommt auch weiterhin die Ware, die er sich wünscht. Naturkost ist mehr als ein Trend. Es ist ein Weg in eine gesündere Zukunft.

Schluckauf: Den Hicks überlisten

Donnerstag, 10. März 2011

Hausmittel gegen Schluckauf gibt es zwar viele, doch sie wirken nicht bei jedem. Das Wichtigste: Geduldig sein und bei chronischen Beschwerden zum Arzt gehen

Der „Hicks“ kommt 35 Millisekunden nach der Atembewegung des Zwerchfells. Der Reflex verschließt die Stimmritze im Kehlkopf, und der unfreiwillige Laut entweicht. Unseren ersten Schluckauf haben wir bereits vor der Geburt.

„Schon im Mutterleib hickst ein Kind“, sagt Dr. Jens Keßler vom Schmerzzentrum der Universitätsklinik Heidelberg, wo man Patienten mit hartnäckigem Schluckauf behandelt. Das setze sich bei Neugeborenen fort, werde allerdings mit der Zeit seltener.

Der Anästhesist vermutet, dass der Reflex die Atemmuskulatur der Winzlinge trainiert. Andere Mediziner nehmen an, der Schluckauf schütze Ungeborene und Säuglinge davor, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. „Bei Erwachsenen besitzt der Schluckauf keine Funktion“, berichtet Professor Gereon Fink von der Universitätsklinik Köln.

Trotzdem hicksen die meisten Menschen von Zeit zu Zeit. Häufig passiert das, wenn wir zu schnell und zu viel essen. Die verschlungene Nahrung dehnt den Magen. Dies reizt den Nerv des Zwerchfells. Keßler rät Personen, die darauf empfindlich reagieren, immer nur kleine Portionen zu verzehren und kohlensäurehaltige Getränke zu meiden. Das gilt auch für sehr kalte oder heiße Nahrung. Sie kann ebenfalls einen Schluckauf hervorrufen.

Was hilft, wenn der Schluckauf einen trotzdem plötzlich übermannt? „Ich halte alle Hausmittel für sinnvoll, die die Atmung beeinflussen“, sagt der Neurologe Fink. Dazu zählt zum Beispiel, eine Minute lang die Luft anzuhalten, ein Glas Wasser in einem Zug auszutrinken oder in eine Tüte ein- und auszuatmen. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel im Blut, der das Zwerchfell ruhigstellt.

Alternativ können Betroffene versuchen, bestimmte Nervenregionen zu reizen. Fink empfiehlt, hinten am Hals zu zupfen oder an der herausgestreckten Zunge zu ziehen. Auch Ablenkung stoppt das Hicksen manchmal. Keßler rät beispielsweise zu versuchen, vom hinteren Rand eines Glases aus zu trinken.

Allerdings lässt sich der Reflex bei Weitem nicht immer überlisten. Und was dem einen hilft, bleibt beim anderen wirkungslos. Doch meist hört ein Schluckauf spätestens nach einigen Stunden von selbst auf.

Bei manchen Menschen hält er aber tage- bis wochenlang an. In 90 Prozent trifft es Männer. Einige können kaum mehr essen oder schlafen. Fink rät, zum Arzt zu gehen, wenn ein Schluckauf als quälend empfunden wird oder über Monate hinweg immer wiederkehrt.

Weil die Beschwerden am häufigsten vom Magen oder von der Speiseröhre ausgehen, sollten die Patienten zunächst einen Internisten aufsuchen. Findet er keine Auffälligkeiten, empfiehlt es sich, einen Neurologen hinzuzuziehen. Denn der Auslöser sind oft Entzündungen der Magenschleimhaut oder Störungen des Nervs, der das Zwerchfell mit dem Gehirn verbindet.

Doch es gibt viele weitere mögliche Ursachen, etwa eine beginnende multiple Slerose, einen Schlaganfall im Hirnstamm, eine vergrößerte Schilddrüse oder einen Herzinfarkt. Manchmal finden die Ärzte allerdings keine Krankheit, die als Auslöser infrage kommt.

Dann versuchen sie, den Reflex auszuschalten mithilfe von Muskelentspannung, Akupunktur oder – in sehr schlimmen Fällen – Antiepileptika. Wenn das alles nicht hilft, blockieren Mediziner den Zwerchfellnerv mit örtlich wirksamen Betäubungsmitteln – als Maßnahme der letzten Wahl.

 
02.03.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/PhotoDisc

Apotheken Umschau

Schmerzen: So behandelt man eine Schleimbeutelentzündung

Freitag, 04. März 2011

Schleimbeutel sorgen dafür, dass wir uns reibungslos bewegen können. Doch manchmal entzünden sie sich

 

Rund 150 Schleimbeutel gibt es in unserem Körper. Sie sind nur wenige Zentimeter groß und befinden sich an besonders beanspruchten Stellen – überall dort, wo Haut, Sehnen oder Muskeln direkt neben einem Knochen liegen.

Die Schleimbeutel dazwischen verringern die Reibung an diesen empfindlichen Strukturen. Eine klare und zähe Flüssigkeit in ihrem Inneren – die sogenannte Synovia – macht die Beutel (Bursae) elastisch. Ärzte nennen sie daher Bursae synoviales. Diese bewirken, dass sich unsere Knie, Ellbogen, Schultern und die anderen Gelenke geschmeidig bewegen. Doch die schützenden Polster können sich entzünden und Beschwerden bereiten.
„Eine Schleimbeutelentzündung am Ellbogen muss sich nicht gleich mit Schmerzen bemerkbar machen. Häufiger beobachten Patienten zunächst eine Schwellung“, erläutert Dr. Frank Rathfelder, niedergelassener Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie in München. Doch längst nicht jede Entzündung der schützenden Polster ist von außen sichtbar. Die Schleimbeutel des Knies, der Schulter und der Hüfte verursachen zunächst nur Schmerzen, denn sie liegen tiefer im Gewebe.

Zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) kommt es meist durch Überlastung: Sportler beanspruchen die benachbarte Muskulatur zu sehr oder einseitig, Nichtsportlern hingegen bereitet häufig zu viel äußerer Druck Probleme – zum Beispiel auf ihre Ellbogen, wenn sie viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Bestimmte Berufsgruppen trifft es besonders oft: Fliesenleger beispielsweise, weil sie viel auf den Knien arbeiten.
Seltener verursachen Krankheiten wie Arthrose, Arthritis oder Gicht eine Bursitis. Auslöser können auch bakterielle Infekte sein, zu denen es nach einer Verletzung in der Nähe eines Schleimbeutels kommt. „Wenn anschließend das Gelenk schmerzt oder anschwillt, sollte man sich sofort an einen Arzt wenden“, mahnt Rathfelder. Denn die Infektion kann sich ausweiten und im Extremfall eine Blutvergiftung verursachen. Das Gleiche gilt, wenn ohne äußere Einwirkung Schmerzen erstmals auftreten.
Der Arzt fragt nach der Art der Beschwerden, nach Vorerkrankungen und Bewegungsgewohnheiten und tastet die betroffene Stelle ab. Bei einem Verdacht auf eine Bursitis untersucht er den Patienten zusätzlich mithilfe von Ultraschall.
Richtig behandelt, heilt eine akute Schleimbeutelentzündung meist vollständig aus. Fast immer gehört es zur Therapie, die entzündete Stelle zu entlasten. Darüber hinaus helfen oft kalte Umschläge und Kältepackungen. Diese muss der Patient jedoch mit einem Handtuch umwickeln, um Erfrierungen zu vermeiden.
Auch eine leichte Physiotherapie und Injektionen mit abschwellenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können die Beschwerden lindern. In Absprache mit dem Arzt kann ein Patient verschreibungsfreie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen und Diclofenac einnehmen. In manchen Fällen helfen auch Salben, die diese Substanzen enthalten.

Wenn die Beschwerden trotzdem nicht verschwinden, entfernen Ärzte den betroffenen Schleimbeutel mithilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs. „Bei einer bakteriellen Infektion müssen wir den betroffenen Schleimbeutel fast immer herausoperieren“, ergänzt Professor Carsten Perka, Orthopäde und Unfallchirurg an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Der Körper bildet dann eine Art Ersatzgewebe. Zur Vorbeugung empfiehlt Perka, beim Sport einseitige und maximale Belastungen zu vermeiden, die Leistung nur langsam zu erhöhen und Schmerzen als Warnsignal ernst zu nehmen.

 
25.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Panthermedia/Werner Heiber

Apotheken Umschau

Harnwegsinfekt: So bleibt die Blase gesund

Donnerstag, 17. Februar 2011

Das Leiden ist unter Frauen weit verbreitet. Doch es gibt Wege, vorzubeugen und die Heilung zu beschleunigen

 

Behandlungs-Tipps

 

Urin ansäuern: Keime gedeihen schlecht im Sauren. Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, rät Apothekerin Christa Keul aus Pöcking (Oberbayern), den Urin anzusäuern. „Wer zu Harnwegsinfekten neigt, sollte vor einem Bade- oder Skiurlaub vorsorglich Cranberry-Produkte oder Präparate mit dem Wirkstoff Methionin einnehmen.“ Cranberrys schützen gleich doppelt: Sie bremsen das Wachstum der Erreger und verhindern, dass sich diese an die Blasenschleimhaut heften.    

Viel trinken: Wird die Blase nicht ausreichend durchgespült, können sich Bakterien festsetzen. „Viel trinken ist daher sehr wichtig“, betont Professorin Daniela Schultz-Lampel. Je schneller die Bakterien ausgeschwemmt würden, desto eher sei auch die Entzündung wieder weg. „Eine hohe Flüssigkeitszufuhr wirkt daher nicht nur vorbeugend, sondern hat auch einen therapeutischen Effekt“, ergänzt die Urologin am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen. Ein weiterer Grund für vermehrtes Trinken: Harntreibende Phytotherapeutika gegen Blaseninfekte entfalten ihre Wirkung nur, wenn dem Körper genug Flüssigkeit zur Verfügung steht. Wer also ein aufkommendes Brennen beim Wasserlassen spürt, sollte etwa zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken (bei Herzschwäche den Arzt fragen!). Geeignet sind Wasser, Tees oder Saftschorlen. Von Grapefruit- oder Orangensaft ist abzuraten. „Zitrusfrüchte enthalten viele Fruchtsäuren, die zu basischen Puffersubstanzen verstoffwechselt werden“, so Schultz-Lampel. Diese verändern den pH-Wert des Urins ungünstig, sodass sich die Bakterien schneller vermehren.  

Grüne Helfer
„In der Frühphase einer Blaseninfektion können Heilpflanzen die Beschwerden lindern“, erläutert Apothekerin Christa Keul. Wirkstoffe aus Goldrute, Orthosiphon, Birkenblättern, Schachtelhalm oder Brennnessel durchspülen die Harnwege und schwemmen krank machende Erreger aus. Extrakte aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel besitzen einen desinfizierenden Effekt und hemmen das Wachstum von Mikroorganismen.

Warm halten
Kalte Füße oder ein zugiger Platz im Restaurant: Bei empfindlichen Frauen reicht das schon aus, um Blasenprobleme heraufzubeschwören. Dabei ist es nicht die Kälte selbst, die die Entzündung auslöst. Bei einem unterkühlten Körper ist vielmehr die Immunabwehr geschwächt, Keime können sich dann besser vermehren. „Schützen Sie sich vor Kälte“, lautet daher auch Christa Keuls Empfehlung. Die Pharmazeutin: „Besonders Unterleib und Füße sollten stets trocken und warm bleiben!“ Im Freien sei es ratsam, kalte Sitzgelegenheiten zu meiden oder eine Unterlage zu nutzen, ergänzt sie. „Treten bereits erste Beschwerden auf, kann eine Therapie mit Rotlicht, Wärmflasche oder Wärmebädern lindernd wirken.“

Gang zum Arzt
Wenn die Beschwerden mit Fieber einhergehen oder nach ein bis zwei Tagen nicht abklingen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Anhand eines Urintests prüft er, ob ein bakterieller Infekt vorliegt. „Falls ja, empfiehlt sich eine Antibiotika-Behandlung“, stellt Urologin Schultz-Lampel klar. Bei unkomplizierten Entzündungen verschwinden die Symptome meist nach einer Ein- oder Dreitagestherapie. Für chronische Infekte gibt es Langzeitantibiotika, die über Monate verabreicht werden.     
Bei immer wiederkehrenden Entzündungen liegt ein fehlerhafter Aufbau der Blasenschleimhaut zugrunde. Eine Schutzschicht an ihrer Oberfläche, die bestimmte Polyzuckermoleküle enthält, schirmt sie normalerweise gegen Mikroorganismen und schädliche Stoffe aus dem Urin ab. Bei Patientinnen mit immer wiederkehrenden Infekten sieht die Schutzschicht „mottenfraßartig“ aus. Schultz-Lampel: „Neuerdings gibt es Blasenspülungen, die Polyzuckermoleküle enthalten, mit denen sich die defekte Schleimhautschicht regenerieren lässt.“

Entzündete Blase: Ein typisches Frauenleiden  

Rund 95 Prozent aller Harnwegsinfektionen betreffen Frauen. Im Lauf ihres Lebens leidet etwa jede zweite Frau mindestens einmal darunter. Das liegt daran, dass die Harnröhre weitaus kürzer ist als bei Männern. Erreger haben es also nicht weit bis zur Blase. Darüber hinaus liegen bei Frauen Harnröhre und After eng zusammen, wodurch es öfter zu Schmierinfektionen durch Keime des Darmausgangs kommt.  

 
12.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

Apotheken Umschau

Immunsystem: Massage stärkt die Abwehr

Donnerstag, 17. Februar 2011

Bereits eine einzige schwedische Massage kann die Anzahl der Abwehrzellen im Blut deutlich erhöhen

Bereits eine einzige Massage hat einen günstigen Einfluss auf das Immun- und Hormonsystem eines Menschen. Hinweise dafür bietet eine Studie des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles (USA). Daran nahmen 53 Personen teil, die entweder eine übliche Schwedische Massage oder eine Massage mit nur leichten Berührungen erhielten.
Vor und nach der Behandlung, die jeweils 45 Minuten dauerte, nahmen die Forscher Blutproben von jedem Teilnehmer. Die Analyse zeigte, dass die Schwedische Massage die Anzahl der im Blut zirkulierenden Abwehrzellen (Lymphozyten) deutlich erhöhte.

20.01.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Getty Images/Digital Vision

Apotheken Umschau

Opium: Arznei und Droge

Samstag, 08. Januar 2011

Aus der Kultur- und Rauschpflanze wird Morphin gewonnen. Der Stoff ist heute aus der Schmerztherapie nicht mehr wegzudenken

König Mithridates VI. von Pontos, einer Region am Schwarzen Meer, entwickelte im ersten Jahrhundert vor Christus ein opiumhaltiges Heilmittel, das er Theriak nannte. „Die Arznei konnte neben Opium und Schlangenfleisch auch Würzkräuter, Wurzeln, Honig und Wein enthalten – bis zu 400 Zutaten.

Ursprünglich wurde sie bei verschiedenen Giften als Gegenmittel eingesetzt“, sagt Dr. Ursula Barthlen, Apothekerin aus Dußlingen. Rund hundert Jahre später verlangte der römische Kaiser Hadrian von seinem Leibarzt wegen Liebeskummers eine tödliche Dosis Opium. Doch der Mediziner fühlte sich an den Eid des Hippokrates gebunden, Arzneien nie zum Schaden eines Menschen anzuwenden, und beging Selbstmord.
Fluch und Segen: Die Inhaltsstoffe des Schlafmohns befreien Schmerzpatienten von ihren Qualen und sind zugleich todbringendes Gift. „Schon die Menschen in der Steinzeit bedienten sich des Mohnsamens, um Schmerzen erträglicher zu machen“, erzählt Annette Schiffner, Leiterin des Brandenburgischen Apothekenmuseums. „Und noch im 19. Jahrhundert verabreichten Eltern ihren Kindern gemahlenen Mohn, um sie zum Schlafen zu bringen.“

Auslöser für zwei Kriege

Der Missbrauch der Pflanze ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Besonders die Chinesen frönten dem Laster des Opiumrauchens. Den Stoff lieferten die Briten aus Bengalen (heute Ostindien und Bangladesch) ins Reich der Mitte.
Als China im 19. Jahrhundert den Handel mit der Droge verbot, stand das den wirtschaftlichen Interessen der Briten entgegen. Dieser Konflikt löste die Opiumkriege (1839 bis 1842 und 1856 bis 1860) aus, die mit Niederlagen Chinas endeten.

Um Rohopium zu gewinnen, ritzen die Bauern die unreifen Samenkapseln des Schlafmohns an und ernten den ausgetretenen Milchsaft, sobald er bräunlich wird. Daraus gibt es in der Apotheke gegen Vorlage eines Betäubungsmittelrezepts eine Tinktur, früher als Laudanum bekannt. „Heute wird sie nur noch selten bei schwerem Durchfall verschrieben“, sagt Barthlen.

1804 gelang es dem 21-jährigen Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Sertürner, aus dem Mohnsaft das „betäubende Prinzip“ zu gewinnen. Den Stoff nannte er Morphium – nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume. Mit seiner Entdeckung, aus einer Pflanze einen einzelnen Wirkstoff zu isolieren, löste Sertürner in der Wissenschaft eine Revolution aus.

Die bald darauf einsetzende Gewinnung von Arzneistoffen aus Pflanzen in großem Stil war die Geburtsstunde der Pharmaindustrie. Neben Morphin, wie der Wirkstoff heute heißt, enthält Mohn hochwirksame Bestandteile, etwa Codein gegen Hustenreiz. Nachteile des Morphins sind die schweren Nebenwirkungen und die Suchtgefahr. Am Vorbild seiner chemischen Struktur wollten Pharmazeuten weniger gefährliche Arzneistoffe entwickeln.

Strenge Kontrolle

Besonders die Abhängigkeitsgefahr war von jeher ein Problem. Anfang des 20. Jahrhunderts zwang immenser Missbrauch die Regierungen zum Handeln. „Infolge des internationalen Opiumabkommens von 1912 wurde zwölf Jahre später innerhalb des deutschen Reichsgesundheitsamts eine Opiumabteilung geschaffen. 1952 entwickelte sich daraus die Bundesopiumstelle, heute Teil des Bundesinstituts für Arznei mittel und Medizinprodukte“, erklärt Maik Pommer vom BfArM.

Das Amt überwacht sämtliche Verordnungen von Betäubungsmitteln. Das umständliche Prozedere mit dem dreiteiligen Rezept – jeweils ein Beleg für den Arzt, den Apotheker und die Krankenkasse beziehungsweise den Privatpatienten – hat durchaus seinen Sinn, wie Pommer erläutert: „Wir wollen eine gezielte Versorgung ermöglichen, aber zu gleich eine gefährliche Überversorgung und die missbräuchliche Anwendung verhindern.“

08.06.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

Apotheken Umschau

Gesund bleiben in der Schwangerschaft

Mittwoch, 21. Juli 2010

Das Wichtigste über Toxoplasmose

Die Parasiten können dem Ungeborenen schaden: Deshalb fürchten sich viele Schwangere vor Toxoplasmose. Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist Toxoplasmose?
Toxoplasmose wird durch einen Parasiten, einen Einzeller namens Toxoplasma gondii, verursacht. Er setzt sich beim Menschen im Inneren von Muskel- und Nervenzellen fest und verkapselt sich dort zu einer Art Zyste. Bei einem Immungesunden verläuft die Infektion in der Regel harmlos. Viele bemerken sie nicht einmal, da kaum Symptome auftreten. Eine clevere Strategie: „Es ist der weltweit erfolgreichste Krankheitserreger, den wir kennen“, erklärt Prof. Dr. med. Uwe Groß, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Göttingen. „Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Weltbevölkerung ist infiziert.“

Warum ist eine Infektion in der Schwangerschaft dann gefährlich?
Weil der Erreger über die Plazenta in den kindlichen Organismus eindringen und ihm schaden kann. „In der Frühschwangerschaft gehen nur etwa zehn Prozent der Erreger auf das Kind über, gegen Ende der Schwangerschaft 90 Prozent“, erklärt Prof. Eiko Petersen, Leiter der Abteilung Gynäkologische Infektiologie an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg. Aber: Nur wenn die werdende Mutter während der Schwangerschaft erstmals mit den Erregern in Berührung kommt, ist das riskant. Hat sie sich nämlich vorher infiziert, befinden sich bereits Antikörper in ihrem Blut. Die Schwangere ist quasi immun – und ihre Antikörper schützen auch das Kind.

Wie kann der Erreger meinem ungeborenen Kind schaden?
Findet eine Erstinfektion in der Frühschwangerschaft, also vor der 16. Woche statt, kann sie die Organbildung beim Baby beeinträchtigen. Und zwar so stark, dass das Ungeborene zum Beispiel unter Umständen einen Wasserkopf entwickelt. Prof. Groß: „Die Schäden können sogar so schwer sein, dass es zu einer Fehlgeburt kommt.“ Bei einer Infektion nach der 16. Schwangerschaftswoche, wenn die Organbildung bereits weit fortgeschritten ist, „sind die Schäden eher gering oder sogar gar nicht zu sehen“, so Professor Groß. Das Problem: Auch bei einem Kind, das bei der Geburt klinisch unauffällig ist, können sich noch bis zum 20. Lebensjahr Symptome bilden. „Vor allem eine so genannte Augen-Toxoplasmose. Die Erreger befallen dabei die Aderhaut der Augen, was zu Erblindung führen kann“, erklärt der Göttinger Experte. Deshalb ist es wichtig, eine Infektion der schwangeren Mutter so früh wie möglich zu erkennen.

Rheuma – Frauen sind häufiger betroffen

Montag, 07. Juni 2010

Etwa dreimal häufiger erkranken Frauen an einer Rheumatoide Arthritis als Männer

Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen der Fingergelenke. Im weiteren Verlauf befällt die Krankheit weitere Gelenke und mitunter auch innere Organe.

Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 50 bis 70 Jahren. Aber auch junge Menschen können daran erkranken: Etwa 15 Prozent vor dem 40. Lebensjahr. Unter diesen jungen Erkrankten sind Frauen viermal häufiger vertreten als Männer.

Nach den Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums leiden Frauen stärker unter Schmerzen und  Funktionseinschränkungen und schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer. Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt – möglicherweise aus größerer Sorge vor Nebenwirkungen.

„Medikamentenstudien bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis weisen leider selten die Ergebnisse von Männern und Frauen getrennt aus“, bedauert Professor Dr. med. Angela Zink vom Forschungsbereich Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Eine für geschlechtsspezifische Unterschiede sensible medizinische Versorgung sei jedoch geeignet, Über-, Unter- und Fehlversorgung zu verringern.

Ursache einer Rheumatoiden Arthritis (RA) sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so Entzündungsprozesse in Gang. Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern. Die körpereigene Abwehr reagiert auf äußere Reize bei Frauen grundsätzlich stärker.

Einen weiteren Grund vermuten die Wissenschaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter. „Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass weibliche Hormone Autoimmunkrankheiten fördern“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Gabriela Riemekasten von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Berliner Charité. Weibliche Hormone (Östrogene) haben Studien zufolge einen eher ungünstigen Einfluss auf die Rheumatoide Arthritis.

Die Wissenschaftler entdeckten jedoch auch, dass sich die Östrogene auf die Erkrankung positiv auswirken können. Frauen, die hormonell verhütet haben, erkranken zum Beispiel halb so oft an einer RA wie Frauen, die nicht die „Pille“ eingenommen haben. Auch eine Östrogentherapie in den Wechseljahren führte bei RA-Patientinnen zu weniger Schmerzen, geringeren Entzündungsparametern und einem besseren Lebensgefühl.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst ebenfalls den Verlauf der RA. „Wahrscheinlich ist eine Autoimmunität wie bei der Rheumatoiden Arthritis jedoch nicht auf die Störung eines einzelnen Hormons, sondern auf eine Dysbalance verschiedener Hormone zurückzuführen“, erläutert die Rheumatologin Riemekasten.

Die spezialisierte rheumatologische Versorgung erreicht dennoch Frauen später als Männer. Woher diese geschlechtsbedingten Unterschiede kommen und welche Rolle das Geschlecht der Patienten auch bei der Behandlung spielt, erörtern nun Experten im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Kreuzweh – Kleine Bewegungen, große Hilfe

Montag, 31. Mai 2010

Mit der „Moving“-Methode lassen sich Rückenschmerzen vermeiden

Verspannte Schreibtischarbeiter haben künftig keine Ausrede mehr: Vier einfache Übungen und wenige Minuten Zeit am Tag genügen, um die Wirbelsäule zu entlasten und Rückenbeschwerden vorzubeugen.

Diese Bewegungen kommen unserem inneren Schweinehund entgegen und lassen sich ohne Aufwand vielerorts durchführen – in der U-Bahn und im Auto, beim Zähneputzen oder im Büro.

Gerade dort sind sie besonders nötig: Fast 80 Prozent aller Berufstätigen mit überwiegend sitzender Tätigkeit klagen über Beschwerden im Wirbelsäulenbereich. Jeder dritte Krankheitstag ist auf Rückenprobleme zurückzuführen.

„Wir sitzen heute einfach zu viel“, erklärt der Münchener Wirbelsäulenspezialist Dr. Martin Marianowicz. „Das ist Gift für den Rücken. Dabei erhöht sich der Druck auf die Bandscheiben bis um das Vierfache.“

Minimal-Programm
Kuren oder Übungsprogramme bringen zwar oft kurzfristige Erfolge, werden aber nur selten in den Alltag übernommen. Roswitha Ram-Devrient kann ein Lied davon singen: Seit 20 Jahren arbeitet die Pharmazeutin in der Prävention.

„Anfangs habe ich den Patienten immer 10 bis 15 Übungsanleitungen mit nach Hause gegeben“, erzählt sie. „Nach ein bis zwei Jahren haben sie keine einzige mehr gemacht – damit wollte ich mich nicht abfinden.“

Die Innsbruckerin reduzierte das Programm zunächst auf sieben Übungen – ohne Erfolg. Und so setzte sie weiter den Rotstift an: „Es blieben vier Bewegungsabläufe übrig“, berichtet die Entwicklerin mehrerer Vorbeugungs- Programme, „und das hat funktioniert.“ Dem abgespeckten Rückentraining hat sie den Namen „Moving“ gegeben (engl.: to move = bewegen).

So viel Zeit muss sein
Die Übungen stammen aus fernöstlichen Bewegungs- und Entspannungstechniken und sind leicht zu erlernen . Jede Einheit dauert nur zehn bis zwanzig Sekunden. „Selbst der ärgste Bewegungsmuffel“, findet Ram-Devrient, „kann also nicht behaupten, er hätte diese Zeit nicht.“

Das Rückentraining soll gleich einen mehrfachen Nutzen bringen: „Durch die Streckung der Wirbelsäule werden die Bandscheiben mit Nährflüssigkeit versorgt“, sagt die Gesundheitsexpertin. „Das macht sie flexibler und beugt Schäden vor.“

Auch Mediziner Marianowicz ist vom Wert der Übungen überzeugt: „Sie wirken einer Fehlhaltung beim Sitzen entgegen, welche die Bandscheiben in eine schmerzhafte Position drückt.“ Zudem mobilisiere das Rückentraining die Wirbelgelenke und verhindere haltungsbedingte Blockaden: „Für die Ernährung unserer Gelenkknorpel“, erklärt der Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Schmerztherapie, „brauchen wir Bewegung.“

Schließlich sollen die Übungen die Rückenmuskulatur lockern sowie die Sehnen und Bänder der Wirbelsäule dehnen. „Machen Sie die Bewegungen nur, wenn sie Ihnen gut tun“, rät Roswitha Ram-Devrient, „dann können
Sie nichts falsch machen.“ Als Faustregel gilt: aufhören, sobald es wehtut.

Am besten stündlich
Wer seinem Rücken wirklich etwas Gutes tun will, muss allerdings regelmäßig aktiv werden. Roswitha Ram-Devrient empfiehlt, jede Stunde eine Minute lang zu üben.

„Man muss dabei nicht einmal die Arbeit unterbrechen“, betont sie. Ein spezielles Computer-Programm erinnert Berufstätige in bestimmten Abständen an das Training.

„Das ist sinnvoller als einmal wöchentlich in ein Fitness-Studio zu gehen und ansonsten nur zu sitzen“, meint Marianowicz. Viele Firmen setzen inzwischen auf Moving, um bei ihren Mitarbeitern Rückenproblemen vorzubeugen.

Offenbar mit Erfolg, wie eine Studie des sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Erlangen zeigt. Die Forscher befragten Mitarbeiter der Münchener Siemens AG vor der Einführung des Programms sowie sechs Wochen danach zu ihrem Befinden. „Moving“, so ihr Fazit, „verringert die Beeinträchtigung durch Rückenschmerzen deutlich.“

Nicht nur vorbeugend
Auch wer bereits Rückenprobleme hat, kann von Moving profitieren, zum Beispiel Patienten nach Bandscheibenoperationen oder Osteoporose-Kranke . Sie sollten aber sicherheitshalber ihren Arzt fragen.

Für ältere Menschen und Personen mit chronischen Schmerzen sei die Methode ebenfalls geeignet, meint Ram-Devrient: „Die langsamen, sanften Übungen schaffen Vertrauen in die eigene Beweglichkeit.

Mit der Zeit wird die Wirbelsäule wieder flexibler, und Muskelverspannungen lassen nach.“ Mit ihrem Rückentraining erzielt die Pharmazeutin erstaunliche Erfolge: „Ich habe Patienten erlebt, die trotz verkrümmter Wirbelsäule kaum mehr Schmerzen haben“, freut sie sich, „oder die durch den verbesserten Bandscheibentonus um zwei Zentimeter größer geworden sind.“

Regelmäßiges Üben verbessere neben Haltung und Beweglichkeit auch das allgemeine Gesundheitsbewusstsein. „Für viele Patienten ist Moving der Einstieg in Entspannungsmethoden wie Yoga oder Qi-Gong“, weiß Roswitha Ram-Devrient.

Vier einfache Übungen fürs Büro

Streckung
Stellen Sie sich vor, Sie würden eine Krone auf dem Kopf tragen. Strecken Sie sich, so dass Sie die Krone etwas nach oben bewegen.

Vor-zurück-Bewegung
Beugen Sie sich nach vorne, als ob Sie eine Goldmedaille umgehängt bekommen. Präsentieren Sie diese dann stolz in der Rückbewegung.

Rechts-links-Bewegung
Lassen Sie die Wirbelsäule locker nach rechts sinken. Dann richten Sie sich wieder auf und lassen sie nach links sinken – wie eine Palme im Wind.

Drehung
Schauen Sie über die rechte bzw. linke Schulter, und bewegen Sie dabei die Wirbelsäule wie eine Schraube etwas um die eigene Achse.