Schmerzen: So behandelt man eine Schleimbeutelentzündung

Freitag, 04. März 2011

Schleimbeutel sorgen dafür, dass wir uns reibungslos bewegen können. Doch manchmal entzünden sie sich

 

Rund 150 Schleimbeutel gibt es in unserem Körper. Sie sind nur wenige Zentimeter groß und befinden sich an besonders beanspruchten Stellen – überall dort, wo Haut, Sehnen oder Muskeln direkt neben einem Knochen liegen.

Die Schleimbeutel dazwischen verringern die Reibung an diesen empfindlichen Strukturen. Eine klare und zähe Flüssigkeit in ihrem Inneren – die sogenannte Synovia – macht die Beutel (Bursae) elastisch. Ärzte nennen sie daher Bursae synoviales. Diese bewirken, dass sich unsere Knie, Ellbogen, Schultern und die anderen Gelenke geschmeidig bewegen. Doch die schützenden Polster können sich entzünden und Beschwerden bereiten.
„Eine Schleimbeutelentzündung am Ellbogen muss sich nicht gleich mit Schmerzen bemerkbar machen. Häufiger beobachten Patienten zunächst eine Schwellung“, erläutert Dr. Frank Rathfelder, niedergelassener Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie in München. Doch längst nicht jede Entzündung der schützenden Polster ist von außen sichtbar. Die Schleimbeutel des Knies, der Schulter und der Hüfte verursachen zunächst nur Schmerzen, denn sie liegen tiefer im Gewebe.

Zu einer Schleimbeutelentzündung (Bursitis) kommt es meist durch Überlastung: Sportler beanspruchen die benachbarte Muskulatur zu sehr oder einseitig, Nichtsportlern hingegen bereitet häufig zu viel äußerer Druck Probleme – zum Beispiel auf ihre Ellbogen, wenn sie viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen. Bestimmte Berufsgruppen trifft es besonders oft: Fliesenleger beispielsweise, weil sie viel auf den Knien arbeiten.
Seltener verursachen Krankheiten wie Arthrose, Arthritis oder Gicht eine Bursitis. Auslöser können auch bakterielle Infekte sein, zu denen es nach einer Verletzung in der Nähe eines Schleimbeutels kommt. „Wenn anschließend das Gelenk schmerzt oder anschwillt, sollte man sich sofort an einen Arzt wenden“, mahnt Rathfelder. Denn die Infektion kann sich ausweiten und im Extremfall eine Blutvergiftung verursachen. Das Gleiche gilt, wenn ohne äußere Einwirkung Schmerzen erstmals auftreten.
Der Arzt fragt nach der Art der Beschwerden, nach Vorerkrankungen und Bewegungsgewohnheiten und tastet die betroffene Stelle ab. Bei einem Verdacht auf eine Bursitis untersucht er den Patienten zusätzlich mithilfe von Ultraschall.
Richtig behandelt, heilt eine akute Schleimbeutelentzündung meist vollständig aus. Fast immer gehört es zur Therapie, die entzündete Stelle zu entlasten. Darüber hinaus helfen oft kalte Umschläge und Kältepackungen. Diese muss der Patient jedoch mit einem Handtuch umwickeln, um Erfrierungen zu vermeiden.
Auch eine leichte Physiotherapie und Injektionen mit abschwellenden oder entzündungshemmenden Wirkstoffen können die Beschwerden lindern. In Absprache mit dem Arzt kann ein Patient verschreibungsfreie schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen und Diclofenac einnehmen. In manchen Fällen helfen auch Salben, die diese Substanzen enthalten.

Wenn die Beschwerden trotzdem nicht verschwinden, entfernen Ärzte den betroffenen Schleimbeutel mithilfe eines kleinen chirurgischen Eingriffs. „Bei einer bakteriellen Infektion müssen wir den betroffenen Schleimbeutel fast immer herausoperieren“, ergänzt Professor Carsten Perka, Orthopäde und Unfallchirurg an der Charité-Universitätsmedizin Berlin.
Der Körper bildet dann eine Art Ersatzgewebe. Zur Vorbeugung empfiehlt Perka, beim Sport einseitige und maximale Belastungen zu vermeiden, die Leistung nur langsam zu erhöhen und Schmerzen als Warnsignal ernst zu nehmen.

 
25.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Panthermedia/Werner Heiber

Apotheken Umschau

Harnwegsinfekt: So bleibt die Blase gesund

Donnerstag, 17. Februar 2011

Das Leiden ist unter Frauen weit verbreitet. Doch es gibt Wege, vorzubeugen und die Heilung zu beschleunigen

 

Behandlungs-Tipps

 

Urin ansäuern: Keime gedeihen schlecht im Sauren. Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, rät Apothekerin Christa Keul aus Pöcking (Oberbayern), den Urin anzusäuern. „Wer zu Harnwegsinfekten neigt, sollte vor einem Bade- oder Skiurlaub vorsorglich Cranberry-Produkte oder Präparate mit dem Wirkstoff Methionin einnehmen.“ Cranberrys schützen gleich doppelt: Sie bremsen das Wachstum der Erreger und verhindern, dass sich diese an die Blasenschleimhaut heften.    

Viel trinken: Wird die Blase nicht ausreichend durchgespült, können sich Bakterien festsetzen. „Viel trinken ist daher sehr wichtig“, betont Professorin Daniela Schultz-Lampel. Je schneller die Bakterien ausgeschwemmt würden, desto eher sei auch die Entzündung wieder weg. „Eine hohe Flüssigkeitszufuhr wirkt daher nicht nur vorbeugend, sondern hat auch einen therapeutischen Effekt“, ergänzt die Urologin am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen. Ein weiterer Grund für vermehrtes Trinken: Harntreibende Phytotherapeutika gegen Blaseninfekte entfalten ihre Wirkung nur, wenn dem Körper genug Flüssigkeit zur Verfügung steht. Wer also ein aufkommendes Brennen beim Wasserlassen spürt, sollte etwa zwei Liter Flüssigkeit am Tag trinken (bei Herzschwäche den Arzt fragen!). Geeignet sind Wasser, Tees oder Saftschorlen. Von Grapefruit- oder Orangensaft ist abzuraten. „Zitrusfrüchte enthalten viele Fruchtsäuren, die zu basischen Puffersubstanzen verstoffwechselt werden“, so Schultz-Lampel. Diese verändern den pH-Wert des Urins ungünstig, sodass sich die Bakterien schneller vermehren.  

Grüne Helfer
„In der Frühphase einer Blaseninfektion können Heilpflanzen die Beschwerden lindern“, erläutert Apothekerin Christa Keul. Wirkstoffe aus Goldrute, Orthosiphon, Birkenblättern, Schachtelhalm oder Brennnessel durchspülen die Harnwege und schwemmen krank machende Erreger aus. Extrakte aus Bärentraubenblättern, Kapuzinerkresse und Meerrettichwurzel besitzen einen desinfizierenden Effekt und hemmen das Wachstum von Mikroorganismen.

Warm halten
Kalte Füße oder ein zugiger Platz im Restaurant: Bei empfindlichen Frauen reicht das schon aus, um Blasenprobleme heraufzubeschwören. Dabei ist es nicht die Kälte selbst, die die Entzündung auslöst. Bei einem unterkühlten Körper ist vielmehr die Immunabwehr geschwächt, Keime können sich dann besser vermehren. „Schützen Sie sich vor Kälte“, lautet daher auch Christa Keuls Empfehlung. Die Pharmazeutin: „Besonders Unterleib und Füße sollten stets trocken und warm bleiben!“ Im Freien sei es ratsam, kalte Sitzgelegenheiten zu meiden oder eine Unterlage zu nutzen, ergänzt sie. „Treten bereits erste Beschwerden auf, kann eine Therapie mit Rotlicht, Wärmflasche oder Wärmebädern lindernd wirken.“

Gang zum Arzt
Wenn die Beschwerden mit Fieber einhergehen oder nach ein bis zwei Tagen nicht abklingen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam. Anhand eines Urintests prüft er, ob ein bakterieller Infekt vorliegt. „Falls ja, empfiehlt sich eine Antibiotika-Behandlung“, stellt Urologin Schultz-Lampel klar. Bei unkomplizierten Entzündungen verschwinden die Symptome meist nach einer Ein- oder Dreitagestherapie. Für chronische Infekte gibt es Langzeitantibiotika, die über Monate verabreicht werden.     
Bei immer wiederkehrenden Entzündungen liegt ein fehlerhafter Aufbau der Blasenschleimhaut zugrunde. Eine Schutzschicht an ihrer Oberfläche, die bestimmte Polyzuckermoleküle enthält, schirmt sie normalerweise gegen Mikroorganismen und schädliche Stoffe aus dem Urin ab. Bei Patientinnen mit immer wiederkehrenden Infekten sieht die Schutzschicht „mottenfraßartig“ aus. Schultz-Lampel: „Neuerdings gibt es Blasenspülungen, die Polyzuckermoleküle enthalten, mit denen sich die defekte Schleimhautschicht regenerieren lässt.“

Entzündete Blase: Ein typisches Frauenleiden  

Rund 95 Prozent aller Harnwegsinfektionen betreffen Frauen. Im Lauf ihres Lebens leidet etwa jede zweite Frau mindestens einmal darunter. Das liegt daran, dass die Harnröhre weitaus kürzer ist als bei Männern. Erreger haben es also nicht weit bis zur Blase. Darüber hinaus liegen bei Frauen Harnröhre und After eng zusammen, wodurch es öfter zu Schmierinfektionen durch Keime des Darmausgangs kommt.  

 
12.02.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/Hemera

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Immunsystem: Massage stärkt die Abwehr

Donnerstag, 17. Februar 2011

Bereits eine einzige schwedische Massage kann die Anzahl der Abwehrzellen im Blut deutlich erhöhen

Bereits eine einzige Massage hat einen günstigen Einfluss auf das Immun- und Hormonsystem eines Menschen. Hinweise dafür bietet eine Studie des Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles (USA). Daran nahmen 53 Personen teil, die entweder eine übliche Schwedische Massage oder eine Massage mit nur leichten Berührungen erhielten.
Vor und nach der Behandlung, die jeweils 45 Minuten dauerte, nahmen die Forscher Blutproben von jedem Teilnehmer. Die Analyse zeigte, dass die Schwedische Massage die Anzahl der im Blut zirkulierenden Abwehrzellen (Lymphozyten) deutlich erhöhte.

20.01.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Getty Images/Digital Vision

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Opium: Arznei und Droge

Samstag, 08. Januar 2011

Aus der Kultur- und Rauschpflanze wird Morphin gewonnen. Der Stoff ist heute aus der Schmerztherapie nicht mehr wegzudenken

König Mithridates VI. von Pontos, einer Region am Schwarzen Meer, entwickelte im ersten Jahrhundert vor Christus ein opiumhaltiges Heilmittel, das er Theriak nannte. „Die Arznei konnte neben Opium und Schlangenfleisch auch Würzkräuter, Wurzeln, Honig und Wein enthalten – bis zu 400 Zutaten.

Ursprünglich wurde sie bei verschiedenen Giften als Gegenmittel eingesetzt“, sagt Dr. Ursula Barthlen, Apothekerin aus Dußlingen. Rund hundert Jahre später verlangte der römische Kaiser Hadrian von seinem Leibarzt wegen Liebeskummers eine tödliche Dosis Opium. Doch der Mediziner fühlte sich an den Eid des Hippokrates gebunden, Arzneien nie zum Schaden eines Menschen anzuwenden, und beging Selbstmord.
Fluch und Segen: Die Inhaltsstoffe des Schlafmohns befreien Schmerzpatienten von ihren Qualen und sind zugleich todbringendes Gift. „Schon die Menschen in der Steinzeit bedienten sich des Mohnsamens, um Schmerzen erträglicher zu machen“, erzählt Annette Schiffner, Leiterin des Brandenburgischen Apothekenmuseums. „Und noch im 19. Jahrhundert verabreichten Eltern ihren Kindern gemahlenen Mohn, um sie zum Schlafen zu bringen.“

Auslöser für zwei Kriege

Der Missbrauch der Pflanze ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Besonders die Chinesen frönten dem Laster des Opiumrauchens. Den Stoff lieferten die Briten aus Bengalen (heute Ostindien und Bangladesch) ins Reich der Mitte.
Als China im 19. Jahrhundert den Handel mit der Droge verbot, stand das den wirtschaftlichen Interessen der Briten entgegen. Dieser Konflikt löste die Opiumkriege (1839 bis 1842 und 1856 bis 1860) aus, die mit Niederlagen Chinas endeten.

Um Rohopium zu gewinnen, ritzen die Bauern die unreifen Samenkapseln des Schlafmohns an und ernten den ausgetretenen Milchsaft, sobald er bräunlich wird. Daraus gibt es in der Apotheke gegen Vorlage eines Betäubungsmittelrezepts eine Tinktur, früher als Laudanum bekannt. „Heute wird sie nur noch selten bei schwerem Durchfall verschrieben“, sagt Barthlen.

1804 gelang es dem 21-jährigen Apothekergehilfen Friedrich Wilhelm Sertürner, aus dem Mohnsaft das „betäubende Prinzip“ zu gewinnen. Den Stoff nannte er Morphium – nach Morpheus, dem griechischen Gott der Träume. Mit seiner Entdeckung, aus einer Pflanze einen einzelnen Wirkstoff zu isolieren, löste Sertürner in der Wissenschaft eine Revolution aus.

Die bald darauf einsetzende Gewinnung von Arzneistoffen aus Pflanzen in großem Stil war die Geburtsstunde der Pharmaindustrie. Neben Morphin, wie der Wirkstoff heute heißt, enthält Mohn hochwirksame Bestandteile, etwa Codein gegen Hustenreiz. Nachteile des Morphins sind die schweren Nebenwirkungen und die Suchtgefahr. Am Vorbild seiner chemischen Struktur wollten Pharmazeuten weniger gefährliche Arzneistoffe entwickeln.

Strenge Kontrolle

Besonders die Abhängigkeitsgefahr war von jeher ein Problem. Anfang des 20. Jahrhunderts zwang immenser Missbrauch die Regierungen zum Handeln. „Infolge des internationalen Opiumabkommens von 1912 wurde zwölf Jahre später innerhalb des deutschen Reichsgesundheitsamts eine Opiumabteilung geschaffen. 1952 entwickelte sich daraus die Bundesopiumstelle, heute Teil des Bundesinstituts für Arznei mittel und Medizinprodukte“, erklärt Maik Pommer vom BfArM.

Das Amt überwacht sämtliche Verordnungen von Betäubungsmitteln. Das umständliche Prozedere mit dem dreiteiligen Rezept – jeweils ein Beleg für den Arzt, den Apotheker und die Krankenkasse beziehungsweise den Privatpatienten – hat durchaus seinen Sinn, wie Pommer erläutert: „Wir wollen eine gezielte Versorgung ermöglichen, aber zu gleich eine gefährliche Überversorgung und die missbräuchliche Anwendung verhindern.“

08.06.2011, Apotheken Umschau, Bildnachweis: Thinkstock/iStockphoto

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Gesund bleiben in der Schwangerschaft

Mittwoch, 21. Juli 2010

Das Wichtigste über Toxoplasmose

Die Parasiten können dem Ungeborenen schaden: Deshalb fürchten sich viele Schwangere vor Toxoplasmose. Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist Toxoplasmose?
Toxoplasmose wird durch einen Parasiten, einen Einzeller namens Toxoplasma gondii, verursacht. Er setzt sich beim Menschen im Inneren von Muskel- und Nervenzellen fest und verkapselt sich dort zu einer Art Zyste. Bei einem Immungesunden verläuft die Infektion in der Regel harmlos. Viele bemerken sie nicht einmal, da kaum Symptome auftreten. Eine clevere Strategie: „Es ist der weltweit erfolgreichste Krankheitserreger, den wir kennen“, erklärt Prof. Dr. med. Uwe Groß, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Göttingen. „Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Weltbevölkerung ist infiziert.“

Warum ist eine Infektion in der Schwangerschaft dann gefährlich?
Weil der Erreger über die Plazenta in den kindlichen Organismus eindringen und ihm schaden kann. „In der Frühschwangerschaft gehen nur etwa zehn Prozent der Erreger auf das Kind über, gegen Ende der Schwangerschaft 90 Prozent“, erklärt Prof. Eiko Petersen, Leiter der Abteilung Gynäkologische Infektiologie an der Universitäts-Frauenklinik Freiburg. Aber: Nur wenn die werdende Mutter während der Schwangerschaft erstmals mit den Erregern in Berührung kommt, ist das riskant. Hat sie sich nämlich vorher infiziert, befinden sich bereits Antikörper in ihrem Blut. Die Schwangere ist quasi immun – und ihre Antikörper schützen auch das Kind.

Wie kann der Erreger meinem ungeborenen Kind schaden?
Findet eine Erstinfektion in der Frühschwangerschaft, also vor der 16. Woche statt, kann sie die Organbildung beim Baby beeinträchtigen. Und zwar so stark, dass das Ungeborene zum Beispiel unter Umständen einen Wasserkopf entwickelt. Prof. Groß: „Die Schäden können sogar so schwer sein, dass es zu einer Fehlgeburt kommt.“ Bei einer Infektion nach der 16. Schwangerschaftswoche, wenn die Organbildung bereits weit fortgeschritten ist, „sind die Schäden eher gering oder sogar gar nicht zu sehen“, so Professor Groß. Das Problem: Auch bei einem Kind, das bei der Geburt klinisch unauffällig ist, können sich noch bis zum 20. Lebensjahr Symptome bilden. „Vor allem eine so genannte Augen-Toxoplasmose. Die Erreger befallen dabei die Aderhaut der Augen, was zu Erblindung führen kann“, erklärt der Göttinger Experte. Deshalb ist es wichtig, eine Infektion der schwangeren Mutter so früh wie möglich zu erkennen.

Rheuma – Frauen sind häufiger betroffen

Montag, 07. Juni 2010

Etwa dreimal häufiger erkranken Frauen an einer Rheumatoide Arthritis als Männer

Die Rheumatoide Arthritis (RA) ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung und betrifft knapp ein Prozent der Bevölkerung. Typische Symptome sind Schmerzen und Schwellungen der Fingergelenke. Im weiteren Verlauf befällt die Krankheit weitere Gelenke und mitunter auch innere Organe.

Frauen erkranken etwa dreimal häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist im Alter von 50 bis 70 Jahren. Aber auch junge Menschen können daran erkranken: Etwa 15 Prozent vor dem 40. Lebensjahr. Unter diesen jungen Erkrankten sind Frauen viermal häufiger vertreten als Männer.

Nach den Daten des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums leiden Frauen stärker unter Schmerzen und  Funktionseinschränkungen und schätzen ihren Gesundheitszustand deutlich schlechter ein als Männer. Trotzdem werden sie zurückhaltender medikamentös behandelt – möglicherweise aus größerer Sorge vor Nebenwirkungen.

„Medikamentenstudien bei der Behandlung der rheumatoiden Arthritis weisen leider selten die Ergebnisse von Männern und Frauen getrennt aus“, bedauert Professor Dr. med. Angela Zink vom Forschungsbereich Epidemiologie am Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) in Berlin. Eine für geschlechtsspezifische Unterschiede sensible medizinische Versorgung sei jedoch geeignet, Über-, Unter- und Fehlversorgung zu verringern.

Ursache einer Rheumatoiden Arthritis (RA) sind vermutlich fehlgeleitete Zellen des Immunsystems. Sie greifen gesunde Körperzellen in den Gelenken an und setzen so Entzündungsprozesse in Gang. Bei Frauen funktioniert das Immunsystem jedoch anders als bei Männern. Die körpereigene Abwehr reagiert auf äußere Reize bei Frauen grundsätzlich stärker.

Einen weiteren Grund vermuten die Wissenschaftler im unterschiedlichen Hormonstatus der Geschlechter. „Es gibt eine Vielzahl von Hinweisen, dass weibliche Hormone Autoimmunkrankheiten fördern“, erläutert Privatdozentin Dr. med. Gabriela Riemekasten von der Klinik für Rheumatologie und klinische Immunologie der Berliner Charité. Weibliche Hormone (Östrogene) haben Studien zufolge einen eher ungünstigen Einfluss auf die Rheumatoide Arthritis.

Die Wissenschaftler entdeckten jedoch auch, dass sich die Östrogene auf die Erkrankung positiv auswirken können. Frauen, die hormonell verhütet haben, erkranken zum Beispiel halb so oft an einer RA wie Frauen, die nicht die „Pille“ eingenommen haben. Auch eine Östrogentherapie in den Wechseljahren führte bei RA-Patientinnen zu weniger Schmerzen, geringeren Entzündungsparametern und einem besseren Lebensgefühl.

Das männliche Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst ebenfalls den Verlauf der RA. „Wahrscheinlich ist eine Autoimmunität wie bei der Rheumatoiden Arthritis jedoch nicht auf die Störung eines einzelnen Hormons, sondern auf eine Dysbalance verschiedener Hormone zurückzuführen“, erläutert die Rheumatologin Riemekasten.

Die spezialisierte rheumatologische Versorgung erreicht dennoch Frauen später als Männer. Woher diese geschlechtsbedingten Unterschiede kommen und welche Rolle das Geschlecht der Patienten auch bei der Behandlung spielt, erörtern nun Experten im Rahmen des 34. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie.

Kreuzweh – Kleine Bewegungen, große Hilfe

Montag, 31. Mai 2010

Mit der „Moving“-Methode lassen sich Rückenschmerzen vermeiden

Verspannte Schreibtischarbeiter haben künftig keine Ausrede mehr: Vier einfache Übungen und wenige Minuten Zeit am Tag genügen, um die Wirbelsäule zu entlasten und Rückenbeschwerden vorzubeugen.

Diese Bewegungen kommen unserem inneren Schweinehund entgegen und lassen sich ohne Aufwand vielerorts durchführen – in der U-Bahn und im Auto, beim Zähneputzen oder im Büro.

Gerade dort sind sie besonders nötig: Fast 80 Prozent aller Berufstätigen mit überwiegend sitzender Tätigkeit klagen über Beschwerden im Wirbelsäulenbereich. Jeder dritte Krankheitstag ist auf Rückenprobleme zurückzuführen.

„Wir sitzen heute einfach zu viel“, erklärt der Münchener Wirbelsäulenspezialist Dr. Martin Marianowicz. „Das ist Gift für den Rücken. Dabei erhöht sich der Druck auf die Bandscheiben bis um das Vierfache.“

Minimal-Programm
Kuren oder Übungsprogramme bringen zwar oft kurzfristige Erfolge, werden aber nur selten in den Alltag übernommen. Roswitha Ram-Devrient kann ein Lied davon singen: Seit 20 Jahren arbeitet die Pharmazeutin in der Prävention.

„Anfangs habe ich den Patienten immer 10 bis 15 Übungsanleitungen mit nach Hause gegeben“, erzählt sie. „Nach ein bis zwei Jahren haben sie keine einzige mehr gemacht – damit wollte ich mich nicht abfinden.“

Die Innsbruckerin reduzierte das Programm zunächst auf sieben Übungen – ohne Erfolg. Und so setzte sie weiter den Rotstift an: „Es blieben vier Bewegungsabläufe übrig“, berichtet die Entwicklerin mehrerer Vorbeugungs- Programme, „und das hat funktioniert.“ Dem abgespeckten Rückentraining hat sie den Namen „Moving“ gegeben (engl.: to move = bewegen).

So viel Zeit muss sein
Die Übungen stammen aus fernöstlichen Bewegungs- und Entspannungstechniken und sind leicht zu erlernen . Jede Einheit dauert nur zehn bis zwanzig Sekunden. „Selbst der ärgste Bewegungsmuffel“, findet Ram-Devrient, „kann also nicht behaupten, er hätte diese Zeit nicht.“

Das Rückentraining soll gleich einen mehrfachen Nutzen bringen: „Durch die Streckung der Wirbelsäule werden die Bandscheiben mit Nährflüssigkeit versorgt“, sagt die Gesundheitsexpertin. „Das macht sie flexibler und beugt Schäden vor.“

Auch Mediziner Marianowicz ist vom Wert der Übungen überzeugt: „Sie wirken einer Fehlhaltung beim Sitzen entgegen, welche die Bandscheiben in eine schmerzhafte Position drückt.“ Zudem mobilisiere das Rückentraining die Wirbelgelenke und verhindere haltungsbedingte Blockaden: „Für die Ernährung unserer Gelenkknorpel“, erklärt der Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Schmerztherapie, „brauchen wir Bewegung.“

Schließlich sollen die Übungen die Rückenmuskulatur lockern sowie die Sehnen und Bänder der Wirbelsäule dehnen. „Machen Sie die Bewegungen nur, wenn sie Ihnen gut tun“, rät Roswitha Ram-Devrient, „dann können
Sie nichts falsch machen.“ Als Faustregel gilt: aufhören, sobald es wehtut.

Am besten stündlich
Wer seinem Rücken wirklich etwas Gutes tun will, muss allerdings regelmäßig aktiv werden. Roswitha Ram-Devrient empfiehlt, jede Stunde eine Minute lang zu üben.

„Man muss dabei nicht einmal die Arbeit unterbrechen“, betont sie. Ein spezielles Computer-Programm erinnert Berufstätige in bestimmten Abständen an das Training.

„Das ist sinnvoller als einmal wöchentlich in ein Fitness-Studio zu gehen und ansonsten nur zu sitzen“, meint Marianowicz. Viele Firmen setzen inzwischen auf Moving, um bei ihren Mitarbeitern Rückenproblemen vorzubeugen.

Offenbar mit Erfolg, wie eine Studie des sportwissenschaftlichen Instituts der Universität Erlangen zeigt. Die Forscher befragten Mitarbeiter der Münchener Siemens AG vor der Einführung des Programms sowie sechs Wochen danach zu ihrem Befinden. „Moving“, so ihr Fazit, „verringert die Beeinträchtigung durch Rückenschmerzen deutlich.“

Nicht nur vorbeugend
Auch wer bereits Rückenprobleme hat, kann von Moving profitieren, zum Beispiel Patienten nach Bandscheibenoperationen oder Osteoporose-Kranke . Sie sollten aber sicherheitshalber ihren Arzt fragen.

Für ältere Menschen und Personen mit chronischen Schmerzen sei die Methode ebenfalls geeignet, meint Ram-Devrient: „Die langsamen, sanften Übungen schaffen Vertrauen in die eigene Beweglichkeit.

Mit der Zeit wird die Wirbelsäule wieder flexibler, und Muskelverspannungen lassen nach.“ Mit ihrem Rückentraining erzielt die Pharmazeutin erstaunliche Erfolge: „Ich habe Patienten erlebt, die trotz verkrümmter Wirbelsäule kaum mehr Schmerzen haben“, freut sie sich, „oder die durch den verbesserten Bandscheibentonus um zwei Zentimeter größer geworden sind.“

Regelmäßiges Üben verbessere neben Haltung und Beweglichkeit auch das allgemeine Gesundheitsbewusstsein. „Für viele Patienten ist Moving der Einstieg in Entspannungsmethoden wie Yoga oder Qi-Gong“, weiß Roswitha Ram-Devrient.

Vier einfache Übungen fürs Büro

Streckung
Stellen Sie sich vor, Sie würden eine Krone auf dem Kopf tragen. Strecken Sie sich, so dass Sie die Krone etwas nach oben bewegen.

Vor-zurück-Bewegung
Beugen Sie sich nach vorne, als ob Sie eine Goldmedaille umgehängt bekommen. Präsentieren Sie diese dann stolz in der Rückbewegung.

Rechts-links-Bewegung
Lassen Sie die Wirbelsäule locker nach rechts sinken. Dann richten Sie sich wieder auf und lassen sie nach links sinken – wie eine Palme im Wind.

Drehung
Schauen Sie über die rechte bzw. linke Schulter, und bewegen Sie dabei die Wirbelsäule wie eine Schraube etwas um die eigene Achse.

Seitenstechen – Fieses Zwicken

Dienstag, 25. Mai 2010

Fast jeder kennt das plötzliche Ziehen, doch die Ursachen sind noch nicht völlig geklärt. Tipps für schnelle Abhilfe

Abrupt bleibt das kleine Mädchen stehen. Gerade noch rannte die Fünfjährige ihrem größeren Bruder davon. Jetzt presst sie die rechte Hand auf den Bauch und stöhnt: „Au, tut das weh.“ Kinder und Jugendliche bekommen oft Seitenstechen. Ein Grund: „Sie wärmen sich nicht auf, sondern laufen einfach los“, erklärt Professor Hans-Georg Predel, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule in Köln.

Aber auch Erwachsene sind vor dem Zwicken unterhalb des Rippenbogens nicht sicher. „Falsches, also flaches, unrhythmisches Atmen führt bei längeren körperlichen Aktivitäten zu Seitenstechen“, erläutert Predel. „Das Problem verschwindet aber meist mit steigender Kondition und verbessertem Trainingszustand von alleine.“
 
Die Stiche sind schmerzhaft, aber in der Regel harmlos. Allerdings können sich hinter dem fiesen Ziehen ernstere Beschwerden verbergen.

„Linksseitiges Stechen kann durchaus ein Hinweis auf Herzdurchblutungsstörungen sein. Auch Magen- und Darmbeschwerden können als Seitenstechen fehlinterpretiert werden“, gibt Predel zu bedenken. Im Zweifelsfall sollten Betroffene die Symptome von einem Arzt überprüfen lassen.
 
Was genau die unliebsame Begleiterscheinung beim Joggen, Radfahren oder Schwimmen auslöst, ist bis heute nicht hundertprozentig geklärt. Eine eindeutige Ursache gibt es nicht, vielmehr werden verschiedene mögliche Auslöser diskutiert.

Eine Theorie geht davon aus, dass beim Seitenstechen verschiedene Organe wie Leber, Milz, Magen sowie Darm nicht ausreichend durchblutet werden. So könnte beispielsweise anstrengender Ausdauersport, bei dem das Blut vor allem für die stark arbeitende Muskulatur beansprucht wird, zeitweise zu einer Unterversorgung der Leber führen und dadurch einen Spannungsschmerz in der Leberkapsel hervorrufen. Das würde erklären, warum die Stiche oft auf der rechten Seite auftreten.
 
Auch eine mangelnde Durchblutung des Darms gilt als mögliche Ursache für die Beschwerden. Professor Klaus-Michael Braumann, Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin in Hamburg: „In diesem Fall wären Gase, hervorgerufen durch Darmkrämpfe, schuld am Ziepen unter dem Brustkorb.“

Die bevorzugte Annahme unter Sportmedizinern ist jedoch, dass eine Fehlbelastung des Zwerchfells – unser wichtigster Atemmuskel – zu den Stichen führt. „Möglicherweise wird dies unterstützt durch falsche Ess- und Trinkgewohnheiten“, vermutet Predel.
 
Wer Seitenstechen verhindern möchte, sollte nicht gleich nach dem Essen trainieren. Die Verdauungsorgane stehen nämlich in direkter Verbindung zum Zwerchfell, das von gefüllten Organen mächtig strapaziert wird.

Als Faustregel gilt:
ein bis zwei Stunden vor der körperlichen Betätigung nichts Schweres essen. Trinken ist dagegen erlaubt, vor sportlichen Aktivitäten sogar empfehlenswert. Die Getränke sollten aber nicht zu kalt sein und keine Kohlensäure enthalten.
 
Langsames Aufwärmen sowie bequeme Kleidung, die eine unbehinderte Atmung zulässt, tragen ebenfalls dazu bei, dass Seitenstechen erst gar nicht entsteht.

Die Personal-Trainerin Diana Hochgraefe aus Hamburg rät allen Joggern zudem, auf die richtige Körperhaltung zu achten. „Viele Laufanfänger nehmen beim Joggen die Arme zu hoch, was zu muskulären Verspannungen im Schulterbereich führen kann und häufig von Seitenstechen begleitet wird.“

Schnelle Hilfe bei Seitenstechen: Das Tempo reduzieren oder gleich eine Pause einlegen und ganz bewusst in den Bauch hinein atmen. Sportmediziner Klaus-Michael Braumann rät: „Tief einatmen, sodass sich der Bauch nach vorne wölbt. Beim Ausatmen den Bauch nach innen ziehen. So verschwinden die Beschwerden schnell.“

Kalorien – Bilanz ziehen und abnehmen

Montag, 17. Mai 2010

Kalorien machen nur dick, wenn die Energiebilanz nicht stimmt – Sie wollen abnehmen, dann erstellen Sie Ihre Energiebilanz

„Jetzt neu – extra kalorienreduziert!“ strahlt das Etikett auf der Chips- Tüte. Dankbar für die Gelegenheit, beim Fernsehabend ein paar Kalorien zu sparen, greifen wir zu und schieben den Einkaufswagen weiter bis zur Eistruhe. Eine Schoko-Vanille-Waffel wäre doch genau das Richtige für den Weg zwischen Kasse und Auto. Eine Kalorienbombe, klar. Aber was soll?s, dafür haben wir doch schon bei den Chips gespart …

Gar nicht so einfach, die Sache mit diesen Kalorien. Ständig machen sie einem ein schlechtes Gewissen. Klar, dass wir das Thema auch beim Einkauf im Auge behalten. Aber Hand aufs Herz: Wer weiß schon so richtig, was es mit diesen „Dickmachern“ eigentlich auf sich hat? Kalorien sind nichts anderes als eine Maßeinheit dafür, wie viel Energie bestimmte Lebensmittel dem Körper liefern. In einem Gramm Kohlenhydrate oder Eiweiße stecken je 4,2 Kilokalorien (kcal), in einem Gramm Fett mehr als doppelt so viele, nämlich 9,2 kcal. Und woher der Bierbauch kommt, erklärt sich auch relativ schnell: Alkohol liefert pro Gramm stolze 7,2 Kilokalorien.

Treibstoff für den Körper
Der Körper braucht ständig Energie: ob beim Laufen, beim Denken oder sogar im Schlaf. Wie hoch der Energiebedarf ist, hängt von vielen Faktoren ab: etwa von Gewicht, Geschlecht, Alter und nicht zuletzt davon, ob man eine Couch-Kartoffel oder ein begeisterter Sportler ist. Denn der Energieverbrauch setzt sich zusammen aus dem Ruheumsatz und dem zusätzlichen Leistungsumsatz. Der Ruheumsatz beziffert nach strenger Definition die Energiemenge, die der Körper in Ruhe und bei 20 Grad Celsius benötigt. Er lässt sich messen, indem man den Kohlendioxid-Gehalt der Ausatemluft bestimmt, der wiederum vom Sauerstoffverbrauch der fettfreien Körpergewebe abhängt.

„Beim Normalgewichtigen bestehen etwa 80 Prozent des Körpers aus fettfreier Masse“, erläutert Professor Dr. Manfred James Müller, Direktor des Instituts für Humanernährung und Lebensmittelkunde der Universität Kiel. „Dazu zählen die sauerstoffverbrauchenden Organe und Muskeln, aber etwa auch das Wasser im Blutplasma. Fettgewebe aber verbraucht nur sehr wenig Sauerstoff.“ Üppige Fettpolster lassen den Ruheenergieverbrauch also nicht in die Höhe schnellen. Wer seinen Energieverbrauch ankurbeln will, damit die Pfunde schmelzen, muss seinen Leistungsumsatz steigern. Das heißt schlichtweg: sich mehr bewegen. Denn der Leistungsumsatz ist jener Anteil an Energie, der bei körperlicher Aktivität verbraucht wird. Nur etwa zehn Prozent davon entfallen auf die Verdauungstätigkeit des Körpers nach dem Essen.

Auch Zappeln macht schlank
„Sport und ähnliche Aktivitäten schlagen in der Energiebilanz weit weniger zu Buche als spontane Bewegungen, beispielsweise das Gestikulieren oder Herumwippeln im Alltag – ganz einfach, weil man das fast ständig macht“, sagt Professor Müller. Sportmuffel, die jetzt erleichtert aufatmen, liegen aber trotzdem falsch. Denn sportliches Training verbraucht auf jeden Fall Energie, und es kann den Ruheumsatz erhöhen – weil die Muskelmasse zunimmt. Dass es mit zunehmenden Alter immer schwieriger wird, sein Gewicht zu halten oder gar abzunehmen, hängt damit zusammen, dass die ruheumsatzbestimmende Muskelmasse stetig geringer wird. „Wer durch Sport dem altersbedingten Muskelschwund entgegenwirkt, hält auch seinen Energiebedarf stabil“, erklärt Müller. Steigt der Energiebedarf eines Menschen etwa bis zu seinem 25. Lebensjahr an, fällt er danach kontinuierlich ab. Hat ein nomalgewichtiger Mann von 25 Jahren einen Ruheumsatz von 1740 Kilokalorien, beträgt dieser bei einem 65-Jährigen nur noch 1410 Kilokalorien.

Wer ungefähr welchen Ruheumsatz hat oder wie viele Kalorien bei welcher körperlichen Aktiviät verbraucht, kann man Richtwerten der deutschsprachigen Ernährungsgesellschaften entnehmen. An diesen Richtwerten, den „Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr“, orientieren sich auch die Kalorienverbrauchszahlen für unsere Beispielpersonen (siehe weiter unten). Wie gesagt: Es handelt sich um Richtwerte, der genaue Kalorien-Verbrauch ist individuell.

Vor kurzem hat die Arbeitsgruppe um Prof. Manfred J. Müller übrigens nachgewiesen, dass die Referenzwerte für den Ruheenergieverbrauch zu hoch angesetzt sind. Dies wird berücksichtigt, wenn die Werte demnächst überarbeitet werden. Referenzwerte hin oder her: Ein Blick auf die Waage zeigt Ihnen unmissverständlich, wie Ihre persönliche
Energiebilanz aussieht. Wer zunimmt, gönnt sich mehr Kalorien, als er braucht. Und dann heißt es: Ernährung anpassen und mehr bewegen.

Kleiner Überblick: Wer verbraucht wie viele Kalorien?

Krankenschwester 30 Jahre

2680 kcal täglicher Kalorienbedarf
1340 kcal Grundumsatz

Stahlkocher 41 Jahre

3480 kcal täglicher Kalorienbedarf
1740 kcal Grundumsatz

Taxifahrer 24 Jahre

2910 kcal täglicher Kalorienbedarf
1820 kcal Grundumsatz

Hausfrau 53 Jahre

2280 kcal täglicher Kalorienbedarf
1270 kcal Grundumsatz

Sekretärin 23 Jahre

2080 kcal täglicher Kalorienbedarf
1390 kcal Grundumsatz

Rentner 69 Jahre

2110 kcal täglicher Kalorienbedarf
1410 kcal Grundumsatz

Diabetes – Freier Fluss im Bein

Montag, 10. Mai 2010

Hinter hartnäckigen Fußwunden stecken oft Durchblutungsstörungen. Wie Chirurgen mit Bypass und Ballonkatheter helfen

“Am liebsten ist mir, wenn ich nicht operieren muss“, sagt Professor Gerhard Rümenapf. Manchmal muss er das auch nicht und kann stattdessen mit einer langen, dünnen Sonde dem Blut wieder freie Bahn schaffen.  

Hauptanliegen des Gefäßchirurgen ist, die Füße und Beine seiner Patienten vor der Amputation zu retten. Der Chefarzt der Gefäßchirurgie am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus Speyer behandelt regelmäßig Diabetiker, die ihm wegen schlecht heilender Fußwunden überwiesen werden.
 
„Mehr als die Hälfte der Diabetiker mit Fußproblemen hat Durchblutungsstörungen in den Beinen“, so Rümenapf. Verantwortlich dafür sind Kalkablagerungen in den Blutgefäßen als Folge schlechter Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte. Weil durch die verengten Arterien  nicht mehr genügend Blut in den Fuß gelangt, haben Verletzungen am Fuß kaum eine Chance, zu heilen.
 
Und hier kommen die Gefäßchirurgen ins Spiel. „Durch einen gefäßchirurgischen Eingriff, der rechtzeitig erfolgt, lässt sich die Durchblutung verbessern und eine Amputation bei acht von zehn Patienten verhindern“, so Rümenapfs Erfahrung. Das Problem: Oft werden Durchblutungsstörungen erst entdeckt, wenn bereits eine Amputation zur Diskussion steht.
 
„Das liegt einerseits daran, dass Diabetiker wegen ihrer Nervenschädigung das typische Warnsignal, nämlich Schmerzen, die nach einer bestimmten Gehstrecke einsetzen und sich beim Stehenbleiben bessern, oft nicht spüren“, so Rümenapf. „Zum anderen werden Diabetiker mit Fußproblemen oft erst spät oder gar nicht zu einem Gefäßspezialisten geschickt.“
 
Gefäßchirurgen haben verschiedene Möglichkeiten, die Durchblutung zu verbessern: Entweder sie legen einen Bypass (engl. „Umleitung“), der das verschlossene Gefäß überbrückt und das Blut zum Fuß transportiert. Oder sie schieben eine Katheter genannte Sonde in das Gefäß, an deren Spitze sich ein Ballon befindet. In der Engstelle wird er mit Flüssigkeit gefüllt und dehnt das Gefäß auf. Beide Verfahren sind seit Jahren auch zur Behandlung verengter Herzkranzgefäße bewährt. In Einzelfällen kann es auch sinnvoll sein, die Kalkablagerungen operativ aus dem Gefäß herauszuschälen.

Die Entscheidung „Bypass oder Ballon“ ist nicht immer einfach. Wenn ein Gefäß langstreckig verengt ist, bleibt meist nur die Bypass-Lösung. Dazu wird dem Patienten eine Vene oder ein Kunststoffschlauch eingepflanzt. So wird die verengte Stelle überbrückt. Gefäßchirurg Rümenapf plädiert jedoch dafür, wann immer möglich eine Katheterbehandlung vorzunehmen.
 
Der Grund: Bypass-Operationen sind aufwendig und komplikationsträchtiger – auch wenn die Wahrscheinlichkeit für erneute Durchblutungsstörungen geringer ist als nach einer Ballonerweiterung. Nicht selten stellt sich jedoch während eines Katheter-Eingriffs heraus, dass sich eine Engstelle nicht weiten lässt – dann muss eben doch ein Bypass gelegt werden. „Im Idealfall wird die Operation vorab so geplant, dass beide Methoden möglich sind“, sagt Rümenapf.   

In jedem Fall, so der Gefäßchirurg, sollten sich Diabetiker in einem Gefäßzentrum behandeln lassen, das sich auf die Therapie des diabetischen Fußes spezialisiert hat. Und noch etwas ist ihm wichtig: Für einen Bypass eignen sich am besten körpereigene Venen, auch Krampfadern. Deshalb sollten Diabetiker Krampfadern nicht vorschnell, etwa aus rein kosmetischen Gründen, entfernen lassen. Rümenapf bringt es auf den Punkt: „Lieber ein Bein, das optisch nicht perfekt ist, als später gar kein Bein!“  
 
So schützen Sie sich: Gefäßverkalkungen sind nicht nur eine Folge erhöhter Blutzuckerwerte. Vor allem hoher Blutdruck, aber auch schlechte Blutfettwerte schädigen die Gefäße und erhöhen das Risiko für Durchblutungsstörungen an vielen Organen. Daher ist es wichtig, Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte optimal einzustellen.

Oft sind dazu Medikamente nötig. Sinnvoll sind regelmäßige Selbstkontrollen von Blutzucker und Blutdruck. Nikotin ist Gift für die Gefäße, daher sollte man mit dem Rauchen aufhören. Präparate mit Omega-3-Fettsäuren aus der Online Apotheke können dabei helfen, die Durchblutung zu verbessern.